Bergretter Bruno Jelk

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Zweck der Dienstreise: Leben retten!

Tausende verdanken der Bergretter-Legende Bruno Jelk ihr Leben. Inzwischen zieht es den 74-Jährigen geschäftlich nach Nepal – um zu helfen.

06.12.2017, 16:25 Uhr

Von Roland P. Poschung

Einsatz im Gebirge: Air Zermatt bei einem Rettungsflug.
Foto: Air Zermatt

Leben retten ist seine Leidenschaft. Bruno Jelk, früherer Rettungschef im schweizerischen Zermatt, kennt keinen Ruhestand. Im November zieht es den 74-Jährigen erneut für vier Wochen nach Nepal, wo er sein Fachwissen weitergibt. Nicht anders als bei „normalen Geschäftsreisen“ ist eine perfekte Reiseorganisation nötig.

Wir treffen Jelk im Hotel Europe in Zermatt, dort wo die Schweizer Ski-Abfahrer seit Jahrzehnten logieren und ihr Sommertraining absolvieren. Flink kommt Jelk auf dem Fahrrad daher: „Ich habe gerade meinen Hausarzt besucht“, sagt er, „mein Knie bereitet mir Schmerzen.“ Dass er trotzdem am nächsten Tag zum Allalinhorn (4027 Meter) und später zum Breithorn (4165 Meter) aufsteigen wird, ist für ihn eine Selbstverständlichkeit.

Rettungsflüge auf 4000 Metern Höhe

Seit einigen Jahren engagieren sich Bruno Jelk und der Hubschrauberbetreiber Air Zermatt ehrenamtlich in Nepal. Berühmt wurde Air-Zermatt-Chef und Helipilot Gerold Biner nicht nur wegen seiner Rettungsflüge auf 4000 Meter hohen Bergen im Wallis. In die Geschichtsbücher der Bergrettung ging auch eine mehrteilige Dokumentation des Schweizer Fernsehens über die Ausbildung von Piloten und Rettungskräften in Nepal und deren Einsätze im Himalaja ein. Biner brachte sie auf 7000 Meter Höhe, die bis dahin weltweit höchste geflogene Rettung.

Für Bruno Jelk gilt: Auch wer Leben retten will, ist auf eine perfekte Geschäftsreiseplanung angewiesen. Die Flugscheine für 800 bis 950 Euro organisiert eine Bekannte von Hubschrauberpilot Daniel Brunner, die in einem Reisebüro arbeitet – eine Art persönliche Travel Managerin. „Meistens fliegen wir mit Qatar oder Oman Air ab Zürich oder Genf nach Kathmandu“, berichtet Jelk. „Die Fracht senden wir mit Cargo-Flügen via Genf. Das organisiert Air Zermatt, die gute Verbindungen zu Airlines hat, speziell zu Turkish.“

Als Hürde gilt es, die Zollausfuhr in Nepal zu überwinden. Diese lässt Jelk durch einen Sherpa oder einen Piloten der nepalesischen Simrik Air, die Air Zermatt ausbildet, bewerkstelligen. Als weitere Kontaktperson dient eine Sherpa des Spitals Nicole Niquille in Lukla, „denn gute Beziehungen zum Auslösen der Ware sind notwendig“, sagt der Schweizer. Logiert wird in Kathmandu im Tibet-Hotel, unterwegs in Zelten oder Lodgen.

Trockenfleisch im Gepäck

Die Verpflegung ist für Jelk nicht einfach: „Ich habe einen heiklen Magen und esse nur Kartoffeln, Reis und gekochtes Gemüse“, sagt der 74-Jährige. „Als Proviant nehme ich von zu Hause ein Kilo Trockenfleisch mit. Ansonsten esse ich weder Fleisch, Salat noch Süßes. Wasser entkeimen wir und trinken es gekocht.“

Bei ihren Einsätzen ab Mitte November 2017 werden Jelk und Air Zermatt mit den Piloten Daniel Brunner und Oskar Gertsch weiterhin sozial-medizinische und technische Dienste leisten sowie Helipiloten und Sherpas ausbilden. Diese Einsätze sind enorm wichtig: Die örtliche Crew wurde 2010 durch den Absturz der erfahrensten nepalesischen Bergretter stark dezimiert.

Im Laufe seines Lebens rettete Bruno Jelk bereits Tausenden das Leben. „Von 1980 bis 2014 habe ich als Bergführer, Skilehrer und Rettungschef allein am Matterhorn 860 Rettungen vorgenommen, davon waren 252 Tote zu verzeichnen“, erinnert er sich. Noch eindrucksvoller sind seine Zahlen bei den Rettungseinsätzen in den Bergen des Oberwallis. Dort wurde Jelk 6970 Mal gerufen. 4288 Personen waren unverletzt, 1911 verletzt und 774 tot. Alle Einsätze hat er genau notiert.

Zu Hause kein Thema

Zu Hause verliert er über seine Einsätze nicht viele Worte: Seine Ehefrau Madeleine und die inzwischen erwachsenen Kinder Fabienne, Bernadette und Thomas will er damit nicht belasten. „Rettungen am Berg sind physisch und psychisch anspruchsvoll“, sagt er. „Entweder man hat die Fähigkeit, das Erlebte zu verarbeiten oder nicht. Wenn dir das zu nahe geht, dann musst du aufhören.“

Nebenher tüftelt Jelk an Erfindungen für die Bergrettung. Die Liste seiner Patente ist lang. Sie reicht von der Jelk-Universal-Bahre über das Dreibein für Rettungen in Gletscherspalten, Jelk-Stangen, die Klemmspalten-Vorrichtung und spezielle Meißel zum Absprengen von Eis in Klemmspalten bis hin zur Long-Line-Rettung als innovatives Abseilsystem vom Hubschrauber. Reich wird der Schweizer mit all dem eher nicht. „Zählt man den Zeitaufwand, die Testversuche und die Kontakte zu Herstellerfirmen zusammen, dann lege ich eher drauf“, bilanziert er. „Aber Komplikationen und Fehlversuche lassen mir keine Ruhe. Ich höre nicht auf, bevor ich nicht eine bessere Lösung in der Bergrettung gefunden habe.“

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