Best Practice Thyssenkrupp

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Passagiere und Fracht – ein starkes Duo

Thyssenkrupp bündelt die beiden Sparten, um bei den Fluggesellschaften niedrigere Ticketpreise durchzusetzen. Für diese Idee erhielt der Konzern den Business Travel Award 2017.

von Oliver Graue, 17.11.2017, 17:26 Uhr
Foto: Gettyimages

Über den Tellerand hinaus habe man gedacht, sagt Jürgen Loschelder, Travel Manager bei Thyssenkrupp. In der Tat mutet das, wofür der Konzern nun mit dem Business Travel Award 2017 des Travel Industry Clubs ausgezeichnet wurde, recht ungewöhnlich an: Der Stahlriese lässt seine Reisenden und seine Fracht von derselben Airline fliegen – und spart damit eine Menge Geld. „Manchmal sind Cargo und Reisende sogar in ein und demselben Flieger“, sagt Loschelder.

Doch der Reihe nach. „Bis dato hatten wir Fracht und Business Travel grundsätzlich getrennt voneinander betrachtet", erläutert der Travel Manager. „2016 haben wir uns erstmals zusammengesetzt, um über ein gemeinsames Konzept zu reden." Dabei standen zwei Ziele im Fokus: Das Travel Management wollte durch die Bündelung Flugkosten sparen; den Logistik-Kollegen wiederum ging es darum, ihre Prozesse zu verbessern. Denn „Datentransparenz oder gar Online-Abwicklung hat es bei der Fracht zuvor nie gegeben.“

In die Verhandlungen mit den Fluggesellschaften hat Thyssenkrupp sowohl sein Geschäftsreisebüro als auch die Spedition einbezogen. Dass es die höchsten Hürden bei Letzterer zu überspringen galt, räumt Loschelder ein. Denn anders als im Travel Management sind bei Cargo direkte Ratenverträge zwischen Firmenkunde und Fluggesellschaft unüblich – solche Vereinbarungen treffen die Spediteure, die daher oft allein den tatsächlichen Preis und die Verfügbarkeit kennen. Also mussten die Spediteure ihr bisheriges Informationsmonopol aus der Hand geben. „Hinzu kam, dass wir auch auf Airline-Seite zwei getrennte und sehr unterschiedlich agierende Bereiche überzeugen mussten“, so Jürgen Loschelder.

Datentransparenz für Fracht

Mit Erfolg. Thyssenkrupp hat inzwischen mit drei Airlines – darunter Air France/KLM und Emirates – Vereinbarungen getroffen. Ihr Inhalt: Der Mischkonzern verspricht, sein Luftfrachtaufkommen auf diese Gesellschaften zu steuern. Im Gegenzug erhält er attraktive Firmenraten für seine Reisenden. Und je stärker die Essener bündeln desto niedriger sind diese Raten. So lassen sich weitere 3, 5, 7, 9 oder gar 10% sparen. Dabei beziehen sich die Verträge auf jeweils feste Strecken. Los ging es mit Zürich–Mexiko-City, inzwischen sind weitere Ziele wie Schanghai hinzugekommen.

Als Fortschritt für seine Logistikkollegen sieht Loschelder die neue Datentransparenz sowie die Einführung einer Online-Buchungsmaschine für Cargo. „Derartige Geschäftsprozesse auf dem Logistikmarkt gab es nicht“, sagt der Travel Manager. Ihm muss es allerdings gelingen, seine Reisenden auf den betreffenden Strecken möglichst komplett auf die drei Fluggesellschaften zu lenken. Die Buchung ist zwar verpflichtend, dennoch hilft ihm ein weiteres „Zuckerbrot“: Die Reisenden bekommen Statuskarten und können – etwa in Mexiko – klassenunabhängig die Lounge nutzen.

Bereits heute hat Thyssenkrupp dank des neuen Wegs einen mittleren sechsstelligen Betrag gespart. Am Ende, so die Erwartung, sollen es mehrere Millionen sein.

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