Züge in Japan und Taiwan

(0)

Pünktlich heißt: Auf die Sekunde genau

Davon können deutsche Bahnfahrer nur träumen: In Fernost sind Züge absolut pünktlich – und fahren mitunter sogar 320 Stundenkilometer.

von Oliver Graue, 05.04.2018, 16:57 Uhr
Der Expresszug Shinkansen – im Hintergrund der Fudschijama – ist seit Jahren das Rückgrat des Schienenfernverkehrs in Japan.
Foto: JNTO

Die Wartenden auf den Bahnsteigen können sich ein Lächeln nicht verkneifen: Als der Stationswärter von Hualien bemerkt, wie wir mit unseren schweren Koffern nach einem Aufzug suchen, zögert er nicht. Er winkt uns zu sich, lässt an der Bahnsteigkante ein automatisches Metallgestell herunter, und über das gelangen wir barrierefrei über die Schienen zum Ausgang. Es geht eben auch ohne Lift oder Rolltreppe!

Taiwans Bahn verfügt aber nicht nur über ausgesprochen hilfsbereite und kreative Mitarbeiter. Auch ihre Züge sind sehr pünktlich. Kommt es ausnahmsweise mal zu einer Verspätung, beträgt diese höchstens ein paar Minuten. Zugegeben: Der kleine Inselstaat hat im Vergleich zu Deutschland ein überschaubares Schienennetz – ganze 1200 km groß. Dass Pünktlichkeit jedoch auch bei umfassenderen Systemen möglich ist, beweist Japan. Die Bahnen des Fernoststaates sind nicht nur superschnell und extrem sauber.

Auch funktionieren die Toiletten immer, stimmt stets die Wagenreihung, und es herrscht striktes Handy-Telefonierverbot. Wo am Bahnsteig die einzelnen Wagen halten werden, ist am Boden markiert. Fahrkarten werden zudem rasch und unkompliziert von Schalterbeamten (!) verkauft – statt umständlich am Automaten. Vor allem aber halten sich die Züge sekundengenau an den Plan. Verspätungen sind ebenso verpönt wie Verfrühungen. Legt ein Zug nur 20 Sekunden zu früh los, lässt die Entschuldigung des Betreibers nicht auf sich warten – auch wenn sich niemand beschwert.

Mit 320 Stundenkilometer durchs Land

Prunkstück der japanischen Eisenbahn ist der Shinkansen. Der Hochgeschwindigkeitszug, der vor 54 Jahren erstmals fuhr, hat von seinem Reiz bis heute nichts verloren. Mit bis zu 320 Stundenkilometern verbindet er die Großstädte der Nation, und dies auf 2500 km Streckenlänge. Verspätungen kennt das wie ein Raumschiff wirkende Gefährt so gut wie gar nicht: 2015 etwa kamen die Züge im Durchschnitt gerade mal 54 Sekunden zu spät an ihren Zielen an. Zum Vergleich: In Deutschland gilt ein ICE überhaupt erst dann als unpünktlich, wenn er 6 Minuten hinter Plan liegt.

Doch bleiben wir gerecht: Anders als bei uns verfügen die Hochgeschwindigkeitszüge in Japan über ein separates System. Die Strecken sind eingezäunt, werden nur vom Shinkansen befahren. Zudem will sich in Fernost niemand einen Lapsus erlauben. Und schließlich liegt den Japanern nicht nur Pünktlichkeit im Blut, sondern auch ein ständiges Sich-Entschuldigen. Selbst wenn das „Vergehen“ noch so winzig ist (etwa 20 Sekunden Verfrühung): Entschuldigt wird sich immer und grundsätzlich.

Hinzu kommt die strenge, hierarchische Arbeitswelt Japans, die wir uns hierzulande eher nicht wünschen: Fahrer, die Sekunden-verspätungen nicht rasch wieder aufholen, müssen mit Ermahnungen rechnen. Und diese werden in dem von äußerstem Pflichtbewusstsein geprägten Land als sehr viel dramatischer angesehen als bei uns. Damit es so weit nicht kommt, werden Fahrt- und Ankunftszeiten der Züge alle 15 Sekunden überprüft. Und sollte sich einmal eine Verspätung von mehr als 1 Minute abzeichnen, wird Alarm ausgelöst: Gemeinsam suchen Fahrer und Betriebsstelle dann nach einer Lösung.

Weitere Business Travel-Themen

 

Per Fernbus auf Geschäftsreise

15.10.2013 Dateigröße 560,53 KB Jetzt herunterladen

Die Zahl der Fernbuslinien steigt stetig. Mittlerweile sind etwa 50 Anbieter im gesamten Bundesgebiet unterwegs. Ausgewählte Strecken im Vergleich.

 
© 2018 FVW Medien GmbH, Alle Rechte vorbehalten
Impressum AGB Datenschutz Kontakt Media