Fluggesellschaft WDL/Zeitfracht

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Mit großen Plänen am Himmel

Geschäftsreisende sind mitunter mit WDL unterwegs: Die einzige familiengeführte Airline in Deutschland fliegt im Auftrag großer Player. Und: Sie hat große Pläne. BizTravel hat den Besitzer – die Zeitfracht – besucht.

von Oliver Graue, 20.08.2018, 09:40 Uhr
Nach oben: Ein Flieger der WDL startet in der Abendsonne.
Foto: WDL Aviation

Geplant war der Start schon seit vielen Jahren. „Die Luftfahrt ist für uns eine ideale Ergänzung zum Straßengütertransport“, sagt Wolfram Simon, Chef und Mitinhaber von Zeitfracht: „Auf dem Boden wird der Verkehr dichter, werden die Regulierungen strenger.“ Die konkrete Chance, in die Luft zu gehen, bot sich 2017: Das Berliner Logistik-Unternehmen erwarb sowohl die Cargo-Sparte der insolventen Air Berlin als auch die Kölner Fluggesellschaft WDL. Vor allem in der Passagierluftfahrt hörten viele zum ersten Mal den Namen Zeitfracht – und selbst die WDL flog, obwohl bereits 1974 gegründet, unter dem Radar so mancher Branchenkenner. Dabei würden vermutlich auch die Maschinen der schweizerischen Skywork heute den Berlinern gehören, wenn sich die Schweizer nicht in letzter Sekunde gerettet hätten.

Luftfahrt, so nennt sich schlicht die neue, 2017 gegründete Holding der Gruppe – neben den bestehenden drei Bereichen Logistik mit insgesamt gut 500 Lkws und ÖPNV-Bussen, Immobilien und Technik. „Regiert“ wird das Konglomerat aus einem Gebäude in Berlin-Charlottenburg. Dort hat Simon sein Büro und führt in dritter Generation das Werk des Firmengründers Horst Walter Schröter fort, der 2013 verstarb. Simon, 37 Jahre alt, leitet Zeitfracht gemeinsam mit seiner Frau Jasmin Schröter. Die beiden wollen die Ideen, die der aus Stendal stammende Gründer Schröter einst entwickelte, ausbauen und auf die Luftfahrt übertragen: Schröter – Mitgründer des Deutschen Paket Dienstes DPD – nutzte freie Ladeflächen auf linienmäßig verkehrenden LKW, um Pakete zu transportieren.

Flotte wächst deutlich

Simon und sein gut 1000 Beschäftigte starkes Team haben ein entsprechendes Muster für die Luftfahrt entwickelt. Die freien Flächen haben sie bei den Billigfliegern ausgemacht. Wegen der kurzen Bodenzeiten konnten diese bislang keine Fracht laden. Das will Zeitfracht ändern: Mit Hilfe einer neuen Methode lassen sich kleingewichtige Packstücke so rasch verladen, dass die Low-Cost-Flieger ihre engen Turnaround-Zeiten einhalten. Seit Langem schon befrachtet das Unternehmen klassische Ferienfluganbieter, TUI ebenso wie Thomas Cook. Hinzugestoßen ist Blue Air.

Der Mix des Cargo- mit dem Passagierverkehr ist nur das eine. Das andere ist der Ausbau des reinen Passagiergeschäfts. Als „unsere kölsche Truppe“ bezeichnet Simon spaßhaft die 130 Mitarbeiter der WDL. Deren Geschäftsmodell besteht außer im Charter im Wetlease: Mit ihren drei rund 100-sitzigen Maschinen BAe 146-200 (Jumbolino) führt WDL Flüge für andere Fluggesellschaften durch. Um die Nachfrage seiner Kunden decken zu können, hat Simon gerade erst einen weiteren Jumbolino gekauft: Die knuffigen Vierstrahler gelten als robust und zuverlässig und sind bei den Passagieren wegen ihres Sitzkomforts beliebt. Die Kennung der von der britischen Cello Aviation übernommenen Maschine – Foxtrott Romeo, also FR – zeigt, „dass es das allererste Flugzeug ist, dass wir als Zeitfracht in Dienst stellen“, sagt der 37-Jährige.

Weitere Maschinen sind bereits bestellt: Zu den Jumbolinos gesellen sich demnächst zweistrahlige Regionaljets. Insgesamt plant das Unternehmen eine Flottengröße von zehn Maschinen. Personell hat es sich indes mit etlichen Managern der Air Berlin verstärkt. Viele von ihnen waren zuvor bei der von Hinrich Bischoff gegründeten Germania (Gexx) tätig. Keine Frage, Zeitfracht will sich im Passagierflug als professioneller Player etablieren. Um diesen Willen zu unterstreichen, ist WDL in den vorigen Wochen sowohl dem Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) als auch dem dem Board of Airline Representatives in Germany (Barig) beigetreten.

Stolz ist Simon darauf, in der Luftfahrt die Fahne des Mittelstands hochzuhalten – in einer Branche, die der klassischen deutschen KMU-Struktur diametral entgegen steht. „Wir sind die einzige noch vollständig familiengeführte Fluggesellschaft in Deutschland“, sagt er. Und überhaupt einer der sehr wenigen Nischenflieger. „Wir bieten keine Massenware. Wir setzen auf Service und wollen unseren Passagieren zeigen, dass Fliegen nach wie vor etwas Besonderes ist.“

Leiten lassen wollen sich Simon und seine Frau von den Werten des deutschen Mittelstands. „Erstens streben wir ein langsames und gesundes Wachstum an“, sagt er. „Zweitens wollen wir nicht disruptiv sein, und drittens leben wir nie über unsere Verhältnisse.“ Gekauft wird nur, „was wir auch bezahlen können“. Wichtige Mittel für den Einstieg in die Luftfahrt dürfte ihm der Verkauf des DPD-Anteils Ende 2016 gebracht haben. Simon, so scheint es, ist sich seiner Sache sicher. Für ihn gilt, was auf der Schokolade steht, die WDL-Gäste beim Aussteigen bekommen: „Et hätt noch emmer joot jejange.“

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