Fluglotsen

(0)

Beruf mit enormer Verantwortung

Sie sorgen dafür, dass es am Himmel unfallfrei abläuft: Fluglotsen haben eine enorme Verantwortung. BizTravel war im Düsseldorfer Tower zu Besuch.

von Sabine Neumann, 12.10.2018, 12:33 Uhr

Ohne Fluglotsen wäre der Himmel leer – oder es herrschte ein unbeschreibliches Chaos. Thomas Kamp ist einer von ihnen: Er sorgt dafür, dass die Reisenden möglichst schnell an ihr Ziel kommen. Der 55-Jährige sitzt im höchsten Tower Deutschlands am Düsseldorfer Flughafen und regelt als Towerlotse in 84 Meter Höhe den Flugverkehr. Er macht diesen Job schon seit vielen Jahren. Und mit großer Leidenschaft: „Als gelernter Maschinenschlosser mit Fachabitur ging ich zur Luftwaffe und Ende der 80er-Jahre dann zur Deutschen Flugsicherung“, berichtet er. „Mit damals 28 Jahren war ich ein Späteinsteiger auf diesem Gebiet. Heutzutage wäre dies so nicht mehr möglich.“ Sein Arbeitsgebiet ist der Flughafen Düsseldorf.

Vom Tower- zum Radarlotsen

Als Towerlotse arbeitet Kamp täglich eng mit den Piloten der Verkehrsmaschinen zusammen und weist ihnen den richtigen Weg: Von der Genehmigung zum Anlassen der Triebwerke über den Rollverkehr bis hin zum Start oder zur Landung erteilt er den Piloten die jeweiligen Freigaben. Kurz nach dem Start reicht er die Flugzeuge weiter an die dann zuständigen Radarlotsen in Langen bei Frankfurt. Tower- und Radarlotsen kooperieren engstens: Bei der Landung übergeben die Radarlotsen dem Tower die Anflüge in etwa 15 Kilometern Entfernung zum Flughafen.

In dem turmähnlichen hohen Gebäude in Düsseldorf beobachtet Thomas Kamp ständig den Flugverkehr am und um den Flughafen, hat Sichtkontakt zu Sportflugzeugen, Polizei- und Rettungshubschraubern. Unterstützung erhalten die Towerlotsen von speziellen Radar- und Computersystemen, die sie im Schlaf beherrschen müssen.

Jeder braucht vier Lizenzen

Am Düsseldorfer Flughafen gibt es insgesamt vier Arbeitspositionen, für die die Fluglotsen eine Lizenz haben müssen. Los geht es bei den Abflügen mit der Position „Delivery“: Die Flugplandaten werden gecheckt, und den Piloten werden die Strecken- und Anlassfreigaben erteilt. Anschließend übernehmen die Ground- oder Rollverkehrslotsen. Sie genehmigen das sogenannte Push-Back – das Zurückdrücken der Maschine von der Parkposition. Anschließend führen sie die Flugzeuge über die Vorfeldbereiche und Taxiways bis hin zur Startbahn.

Die Zuständigkeit der Groundlotsen ist in Düsseldorf in einen westlichen und einen östlichen Bereich unterteilt. Danach übernimmt der Platzlotse: Er erteilt die Startgenehmigung und kontrolliert den Luftraum im Nahverkehrsbereich.

Thomas Kamp muss laut Vorschrift alle zwei Stunden eine Pause einlegen, um neue Konzentration aufzubauen. „Da gehe ich dann mal raus, um etwas zu essen oder um zu lesen“, erzählt er. Danach löst er einen anderen Kollegen zur Pause ab. Das System rolliert, so dass Kamp im Tagesverlauf verschiedene Arbeitspositionen besetzt. Im Streckenflug kontrollieren jeweils zwei Radar- oder Centerlotsen einen Sektor, also ein geografisches Gebiet. Durch kontinuierliche Anweisungen ans Cockpit sorgen sie für eine sichere und zügige Abwicklung des Flugverkehrs. Hier liegt der Abstand in der Regel bei 1000 Fuß (300 Meter) in der Höhe oder 9 Kilometern, sofern sich die Flugzeuge auf gleicher Höhe bewegen.

Genaue Sicherheitsabstände beim Starten und Landen

Das „Auge“ der Centerlotsen ist das Radar. Auf ihm bekommen die Fluglotsen beispielsweise Flugnummer, Flughöhe und Geschwindigkeit angezeigt. Verlässt das Flugzeug den Sektor, übergeben die Radarlotsen den Flieger wie einen Staffelstab ans folgende Fluglotsenteam. So wird die Maschine vom Start bis zur Landung von Lotse zu Lotse weitergereicht.

Beim Starten und Landen der Verkehrsflugzeuge sorgt Kamp durch zielgenaue Kurs- und Höhenvorgaben für einen genauen Sicherheitsabstand. Je nach Größe und Konstellation der Flieger liegt dieser zwischen 5,5 und 15 Kilometern. Die Towerlotsen führen die gerade gelandete Maschine sicher in ihre Parkposition auf dem Flughafengelände.

Dabei haben sie stets direkten Sichtkontakt zu ihrem Flieger. Außerdem beobachten Kamp und seine 36 Kollegen – unter ihnen auch sieben Frauen – den „kleinen“ Bodenverkehr im Flughafenbereich, damit es hier nicht plötzlich zu Zwischenfällen kommt. Die Atmosphäre auf 84 Meter Höhe ist ruhig, keinesfalls angespannt: Man ist ein Team!

Thomas Kamp versieht Schichtdienst im Acht-Stunden-Rhythmus – auch mit Nachtdienst. Nach jeweils fünf Arbeitstagen hat er drei Tage frei. „Bei meiner Arbeit gefällt mir vor allem, dass ich gedanklich nichts mit nach Hause nehmen muss“, sagt er. „Der Job ist erledigt, sobald die Tür ins Schloss fällt.“ Mit 55 Jahren dürfen Towerlotsen in den Ruhestand gehen. Thomas Kamp ist 55 Jahre alt. Die Tätigkeit wird gut bezahlt: Das Einstiegseinkommen von Towerlotsen liegt zwischen 80.000 bis 120 000 Euro. Man sollte dabei aber bedenken, dass von ihren Entscheidungen Menschenleben abhängen können.

Immer direkter Sichtkontakt

Der Einstellungstest ist schwierig: Verlangt werden von den künftigen Fluglotsen neben dem Abitur ausgeprägtes räumliches Vorstellungsvermögen, ein gutes Gedächtnis, überdurchschnittliches Konzentrationsvermögen, Teamfähigkeit, Belastbarkeit und Verantwortungsbewusstsein sowie Zahlen- und technisches Verständnis. Hinzu kommen Flexibilität hinsichtlich des späteren Einsatzortes, Bereitschaft zum Schichtdienst, medizinische Eignung und die Einwilligung in Zuverlässigkeits- und Sicherheitsprüfungen. Längst nicht jeder Bewerber ist geeignet: Gut 95 Prozent fallen bei den Einstellungstests durch.

Das Ausbildungszentrum für Fluglotsen steht im hessischen Langen, die Lehre dauert eineinhalb Jahre. Gelehrt werden Fächer wie Navigation, Luftrecht und Luftfahrt-Englisch sowie Training im Simulator.

Wichtigster Kollege: das Wetter

Anschließend heißt es für die Neulinge ab in den Tower und Training on the Job: Der Übergang von der Theorie zur Praxis ist fließend. Im Tower beginnt für die künftigen Lotsen sofort der Arbeitsalltag – etwa mit der Startfreigabe: „Lufthansa 568, wind two one zero degrees, seven knots, runway two three left, cleared for take-off!“ Zuvor hat ein Kollege am Bildschirm die Flugdaten der Maschine gecheckt. Sechs Monitore zeigen an jedem Arbeitsplatz unterschiedlichste Daten an, vom Wetter bis zum Boden- und Luftlageradar.

Gerade das Wetter spielt für Thomas Kamp und seine Kollegen eine große Rolle. „Jede halbe Stunde erhalten wir vom Deutschen Wetterdienst die Vorhersagen mit Windrichtungen, Windgeschwindigkeiten, Gewitterneigung und Unwetterwarnungen“, erklärt er. „Manchmal müssen wir uns recht schnell auf neue Wetterlagen einstellen. Es kommt vor, dass wegen eines plötzlichen starken Gewitters dann ein Flieger doch am Boden und ein anderer in der Luft bleiben muss.“

Möglichst schnell herunter müssen medizinische Notfälle, die fast täglich am Düsseldorfer Flughafen vorkommen. Noch bevor der Flieger landet, steht ein Rettungsteam für den erkrankten Fluggast bereit – organisiert von den Towerlotsen. Solche Notfälle oder der Einsatz des Rettungshubschraubers haben übrigens immer Vorrang vor dem normalen Flugverkehr. Auch, wenn ein Flieger dadurch nicht pünktlich starten oder landen kann.

Quiz
(0)

Erkennen Sie die Airline?

Wie viele von diesen 15 Airline-Logos können Sie richtig zuordnen?

 

Weitere Business Travel-Themen

 

Neue Flüge ab Winter 2014/15

03.12.2014 Dateigröße 4,64 MB Jetzt herunterladen

Überblick über alle geschäftsreiserelevanten Ziele, die frisch in den Flugplänen auftauchen.

 

Tagen am Airport

08.12.2014 Dateigröße 1,82 MB Jetzt herunterladen

Diese Tagungshotels lassen sich bequem zu Fuß vom Flughafen erreichen.

 
© 2018 FVW Medien GmbH, Alle Rechte vorbehalten
Impressum AGB Datenschutz Kontakt Media