Mobilitätsfriedhöfe

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Letzte Ruhe für Flieger und Züge

Flugzeugen, Loks und Schiffen geht es wie Menschen: Sie leben nicht ewig. Ein würdiges Ende wird aber nur den wenigsten gewährt.

von Oliver Graue, 29.12.2017, 11:01 Uhr

Von oben sieht er so aus wie ein gigantischer Flughafen: ein Flughafen, bei dem vergessen wurde, Empfangshallen zu bauen. Mehr als 4000 Maschinen stehen auf einem der größten Flugzeug-Dauerparkplätze der Welt. Er befindet sich in Tuscon im US-Bundesstaat Arizona.

Dass er genau dort angelegt wurde, hat seinen Grund: Das trockene, heiße Wetter stellt einen natürlichen Korrosionsschutz für die hier geparkten Flugzeuge – vor allem Militärmaschinen – dar. Tuscon und einige weitere derartiger Abstellflächen in den USA gelten als „Flugzeugfriedhöfe“. Teilweise sind sie das auch: Viele Jets werden nie mehr in die Luft gehen, sie dienen als Ersatzteillager.

Andere jedoch erfahren eine wundersame Wiederauferstehung. Fluggesellschaften haben sie hier abgestellt, weil der Markt sie momentan nicht benötigt. Oder weil sich noch kein Käufer für sie gefunden hat. Mit 200 US-Dollar pro Monat halten sich die „Parkgebühren“ im Rahmen.

Namen der Airlines abgekratzt

Um Rückschlüsse auf ihre finanzielle Situation zu vermeiden, haben manche Airlines die Logos und Schriftzüge von den Maschinen abgekratzt oder sie übermalt. Manchmal bemerken es Passagiere, wenn sie mit einem Flieger aus der Wüste Arizonas unterwegs sind: Auf den ersten Flügen stoßen sie noch auf das eine oder andere Sandkorn, das aus der Verkleidung rieselt.

Dass Verkehrsmittel bestattet werden, ist nicht die Regel. Oft werden sie ausgeschlachtet, verschrottet oder wiederaufbereitet. Letzteres kann sich lohnen: Etliche Tonnen Aluminium, Stahl, Titan, Kohlefaser und Kupfer stecken in den ausrangierten Maschinen. Der Schrottwert von Großraumfliegern liegt bei 100.000 Euro. „Ich war ein Flugzeug“: Wirklich wiederverwertet wird bislang jedoch nur ein ganz kleiner Anteil.

Der Vergessenheit wäre beinah auch die „Landshut“ anheimgefallen. Das berühmteste Flugzeug der deutschen Geschichte, das 1977 von RAF-Terroristen gekapert und später von der Spezialeinheit GSG-9 befreit wurde, ruhte bereits auf einem Friedhof im brasilianischen Fortaleza. Inzwischen wartet die Maschine in einem Hangar in Friedrichshafen darauf, zu neuem Leben erweckt und restauriert zu werden. Geplant ist, sie im Dornier-Museum der Bodensee-Stadt auszustellen.

Z-gestellt und gerettet

Ein Glück, das manchmal auch Lokomotiven haben. Eisenbahnfreaks retten sie, kaufen sie, bewahren sie vor dem Abwracken. Als Museumsbahnen tun sie dann ihren Dienst. Weil normalerweise, in Deutschland zumindest, alte Loks und Wagen aber zunächst „z-gestellt“ (zurückgestellt zur Zerlegung) und dann verschrottet werden, sind echte Bahn-Friedhöfe selten. Oder sagen wir: Gnadenhöfe.

Einer von ihnen findet sich im Hunsrück, im Örtchen Hermeskeil. Ein privater Sammler wollte hier seinen Traum verwirklichen und hat mehr Dutzende Dampf- und Dieselloks vor allem aus der DDR zusammengetragen. Sie stehen im stillgelegten Bahnbetriebswerk.

Doch was mit hehren Ambitionen und großen Plänen begann, ließ sich nicht wie geplant verwirklichen: Eine Genehmigung zum Bau von Unterständen für die Stahlkolosse wurde dem Sammler verweigert, er verlor viele seiner einst 20 Mitarbeiter. Mit aller verbliebenen Kraft kämpft er gegen Rost und Moos auf den Loks, denn aufgeben will er nicht, seine Söhne sollen später mal übernehmen. Etwa 2000 Besucher zählt er pro Saison.

Friedhof der Schiffe

Alte Schiffe werden meist abgewrackt. Doch das rentiert sich nur bei größeren Exemplaren – weswegen an vielen Ufern und Küsten inzwischen Schiffsfriedhöfe entstanden sind, vor allem in Afrika. Zu den weltweit größten gehören jene in der Cansado-Bucht und der Baie du Repos vor Mauretanien. Mehr als 100 Schiffe geben sich hier dem Verfall hin, Dutzende sind versunken. Als Schiffsfriedhöfe gelten aber auch solche Orte, an denen besonders viele Schiffe untergegangen oder unrettbar gestrandet sind. Der größte Friedhof dieser Art findet sich vor Kap Hoorn, an der Südspitze Südamerikas. Mehr als 800 Kähne sollen hier gesunken sein.

Das alles ist nichts im Vergleich zu der Zahl jener Fahrräder, die das Fietsdepot Amsterdam (AFAC) zählte und zählt: Weit mehr mehr als 150.000 Exemplare lagerten hier bereits, meist gestohlene, falsch abgestellte oder in den Grachten der Stadt versenkte Vehikel. Wer sein Rad vermisst, kann hier fündig werden. Für 60 bis 70% aller Drahtesel ist die AFAC jedoch Endstation: Sie gehen an Behindertenwerkstätten oder landen im Schrott.

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