Neue Konzepte der Airlines

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Kommen wir bald im Container an Bord?

Mit innovativen Konzepten wollen Fluggesellschaften die Zeit an Bord verbessern. Komfort und Wirtschaftlichkeit sind aber oft Gegensätze.

von Georg Jegminat, 09.05.2018, 11:21 Uhr
Bitte einschieben: Ein Container mit Fluggästen beim „Boarding“.
Foto: A3 Airbus

Mit Füßen getreten, missachtet und doch innovativ: Der Teppich in Passagierflugzeugen dürfte zu den Ausstattungselementen gehören, die am wenigsten wahrgenommen werden. Dennoch hat er sich zu einem Hightech-Produkt entwickelt. Außerordentlich strapazierfähig wiegt er nur noch einen Bruchteil früherer Teppiche und erfüllt doch die hohen Sicherheitsnormen etwa zum Feuerschutz. Weniger Gewicht reduziert den Treibstoffverbrauch von Flugzeugen und damit die Kosten. Das ist einer der Treiber für Innovationen in der Kabine, aber nicht der einzige.

Die Flugzeugkabine in den Passagierflugzeugen hat sich dramatisch verändert. Plüsch ist out. In einer fortlaufenden Abfolge werden Innovationen eingebaut, die teils von den Passagieren wahrgenommen werden können, teils aber nicht. Was treibt die Entwickler an? Welche Rolle spielen Fluggesellschaften und Flugzeughersteller? Diplom-Ingenieur Holger Friehmelt, Leiter des Instituts Luftfahrt an der FH Johanneum in Graz, begleitet die Trends seit mehr als zehn Jahren. Er ist Mitglied in der Jury des Crystal Cabin Award, dem Oscar der Flugzeugausstattung, der jährlich in Hamburg vergeben wird.

Was Hersteller, Airlines und Passagiere wollen

Fliegen wir so in Zukunft? Eine Simulation von Airbus.
Foto: A3 Airbus

„Die Zivilluftfahrt lebt in einem Spannungsfeld mit drei Polen – den Flugzeugherstellern, den Fluggesellschaften und den Interessen der Passagiere“, sagt Friehmelt. Doch deren Interessen sind nicht immer deckungsgleich.

Flugzeughersteller: Sie wollen Flugzeuge, die im Betrieb wirtschaftlicher sind mit verringerter Umweltbelastung. Aber sie bevorzugen einfache Innovationen, die weniger Risiken mit sich bringen. Diese Fraktion hat am Ende starken Einfluss darauf, welche Neuerungen akzeptiert werden (Airframe Centric).

Fluggesellschaften: Für sie ist die Kabine die Visitenkarte. Die Passagiere nehmen beim Einsteigen den Innenraum und deutlich weniger das Flugzeug von außen wahr. Die Airlines setzen zudem auf den Wiedererkennungseffekt (Cabin Centric).

Passagiere: Wichtige Merkmale für die Fluggäste sind vor allem die Sicherheit, der Komfort, die Sauberkeit und zunehmend die digitale Vernetzung. Ihre Fürsprecher sind in der Regel Ergonomie-Experten, die beispielsweise den Wunsch der Fluggesellschaft nach engerer Bestuhlung bremsen. Um diese Interessen zu stärken, wurde die Kategorie „Passenger Comfort“ eingeführt (Passenger Centric).

Zunehmend engere Bestuhlung

Erinnert irgendwie an die Sitzordnung im Interregio der Deutschen Bahn: Modern sitzen im Flugzeug.
Foto: A3 Airbus

Die Motive, innovative Lösungen zu entwickeln, sind mindestens ebenso vielfältig. „Auslöser können neu entwickelte Materialien sein oder neue Gesetze, die zukünftig im Flugbetrieb erfüllt werden müssen“, analysiert Diplom-Ingenieur Friehmelt. „Ein starker Faktor ist aber auch der Wettbewerb zwischen den einzelnen Fluggesellschaften sowie zwischen den Flugzeugherstellern, die natürlich um Kunden buhlen.“ Als Beispiele nennt er die Kapptische an Economy-Sitzen.

Wegen der zunehmend engeren Bestuhlung brachten Hersteller zwei neue Lösungen auf den Markt: Recaro zum Beispiel nutzt nur eine statt zwei seitlicher Stützen, und ZIM verbaut eine Mittelstütze. Ziel ist es in jedem Fall, die Beinfreiheit zu erhalten.

Zur Riege der ausgezeichneten Produkte gehört die sogenannte Skycouch, die Recaro für Air New Zealand entwickelt hat. Damit lässt sich auf Langstreckenflügen auf der Basis von drei Sitzen nebeneinander eine verbundene Spielfläche für Kinder oder auch ein Platz zum Schlafen schaffen.

Marktfähige Produkte schnell anbieten

Insbesondere Zulieferer sind zudem darum bemüht, bereits marktfähige Produkte anzubieten, damit sie rasch in den Vertrieb einsteigen können. Beispiel: ein Abfalltrolley, der mit starkem Unterdruck den Müll gleich komprimiert und so den Platzbedarf an Bord verringert. Derzeit arbeiten auch mehrere Hersteller an verstellbaren Kopfstützen für Holzklassen-Sitze, weil die Sitzlehnen nur wenig oder gar nicht mehr zurückzustellen sind. Viele Passagiere wollen aber dennoch schlafen.

Angesichts der zunehmenden Vernetzung in der Flugzeugkabine steigt dort der Bedarf nach elektrischem Strom. Die Küche, das Unterhaltungssystem sowie die Handys und Tablet-PCs der Passagiere sind die größten Energiefresser. Der norddeutsche Zulieferer Diehl hat den Prototyp eines Trolleys vorgestellt, der sich in die Bordküche einpasst. Dieser enthält kein Essen, sondern wiederaufladbare Akkus, die während der Bodenzeit schnell ausgetauscht werden können.

Von Studenten kommen aber durchaus Konzepte, die über den Tellerrand hinausschauen. Bei den Kabinen-Awards wurde deshalb die Kategorie „Visionäre Konzepte“ eingeführt. „Sie soll dafür sorgen, dass die Ideen der Studenten neben den Produkten von Zulieferern und Flugzeugherstellern überhaupt im Markt sichtbar werden“, sagt Friehmelt.

Wohin geht der Trend in der Zukunft?

Der Experte geht davon aus, dass Flugzeugkabinen künftig noch flexibler gestaltet werden: „Möglicherweise gibt es Kabinenmodule, die nach der Landung ganz ausgetauscht werden können.“ So ließen sich Reiseklassen, also Economy, Eco Plus/Premium, Kurz- und Langstrecken-Business und First Class, sehr dynamisch gestalten.

Für einen Nachtflug über den Atlantik könnten beispielsweise Schlafabteile eingeschoben werden – für einen Tagflug hingegen Module, die Geschäftsreisenden das Arbeiten erleichtern. Eine Fluggesellschaft lässt derzeit ein Besprechungsabteil für vier Personen entwickeln – zum Konferieren, Arbeiten oder für gemeinsam reisende Familien. Zunächst könnte es so platziert werden wie die Schlafplätze der Stewardessen.

Angesichts der demografischen Entwicklung in Europa erwartet Friehmelt, dass Fluggesellschaften auf die Bedürfnisse der älteren Menschen verstärkt eingehen werden. Diese wünschen mehr Komfort, sind in ihrer Mobilität aber stärker eingeschränkt als jüngere Leute. Das Innovationstempo nimmt aus seiner Sicht daher weiter zu, nicht ab.

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