Eine Klimaschutz-Legende

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E-Autos sind nicht sauber

Stromer sind besser fürs Klima als Dieselfahrzeuge? Sehr häufig stimmt das nicht – und manchmal ist sogar das Gegenteil der Fall.

von Oliver Graue, 09.07.2018, 14:47 Uhr
Technologie mit vielen Problemen: E-Autos mit Batterien.
Foto: Daimler AG

Eine Million Elektroautos wollte Angela Merkel bis 2020 auf die deutschen Straßen schicken. Ein Ziel, das die Kanzlerin inzwischen aber wieder einkassiert hat: Wir schaffen das nicht. Schade für die Umwelt? Nein – sagen jedenfalls renommierte Verkehrsexperten. Denn anders als es die Politiker gern gebetsmühlenartig wiederholen, ist das Elektroauto keinesfalls ökologisch verträglicher als ein Benziner und schon gar nicht als ein Dieselfahrzeug. Die Politiker ließen bei ihren Betrachtungen nämlich „die Gesetzmäßigkeiten der Physik außer Acht“, kritisieren 15 Professoren aus Deutschland und Österreich. Sie würden vergessen, dass bereits „bei der Erzeugung, Speicherung und Nutzung von Energie energetischer Aufwand nötig ist, bei dem Schadstoffe ausgestoßen werden“.

Sprich: In seiner derzeitigen Form ist das E-Auto oft eine Mogelpackung. Zwar stoßen die Fahrzeuge in ihrem Betrieb selbst kein CO2 aus – das allerdings ist bereits vorher entstanden. Nämlich sowohl bei der Herstellung (und später dann bei der Entsorgung) der Batterien als auch bei der Energieproduktion. Nach wie vor sind die mit Abstand wichtigsten Energiequellen hierzulande Kohle, Kernkraft und Erdgas. CO2-frei sind diese aber nicht. So wird bereits bei der Stromherstellung in den Kraftwerken Kohlendioxid en masse frei. Für die Luft der Innenstädte mögen E-Autos also gut sein – mit globalem Klimaschutz haben sie hingegen wenig zu tun.

Diesel oft mit besseren Werten

Wie es um die CO2-Bilanz elektrischer Fahrzeuge steht, hat gerade erst der ADAC untersucht. Gemeinsam mit dem Heidelberger Institut für Energie- und Umweltschutz wurden dabei auch Faktoren gemessen wie die CO2-Emissionen, die bei Herstellung und Entsorgung/Recycling entstehen, der CO2-Ausstoß, den die Erzeugung von Kraftstoff/Strom hervorruft, und schließlich die unmittelbaren CO2-Emissionen.

Ergebnis: In der oberen Mittelklasse weisen Dieselfahrzeuge mit 219 Gramm CO2/km eine bessere Bilanz auf als Elektroautos mit 277 Gramm. Bei den Kleinwagen sind die Ergebnisse fast gleich (Diesel 166 Gramm, Elektro 158 Gramm). Lediglich in der Kompaktklasse hat das E-Mobil die Nase vorn: Dort kommt es auf 150 Gramm, während Diesel mit 186 und Benziner mit 201 Gramm schlechter sind.

Regelrechtes Gift fürs Klima sind E-Autos, die als Zweitwagen genutzt werden. Da diese einen Lebenszyklus von nur 50.000 km haben, ist die Ökobilanz deutlich miserabler als bei den klassischen Antrieben. Und: Untersucht wurde lediglich der Kohlendioxid-Ausstoß, nicht aber die gesamte Umweltverträglichkeit, also etwa der Bedarf an wichtigen Rohstoffen für die Batterieproduktion.

Bilanz: „Je größer die Batterie und der Verbrauch, desto ungünstiger sind E-Modelle“, so der ADAC. Auch die 15 Professoren fordern keinesfalls ein Ende des E-Antriebs, sondern die Umstellung auf kleine und leichte Fahrzeuge. Zudem müssten die Autos eine sogenannte Beschleunigungsbremse erhalten: Heute sind E-Autos äußerst spurtstark – was allerdings den Stromverbrauch in die Höhe treibt, für Straßenverschleiß sorgt und zusätzlich verstärkt Feinstaub produziert.

Und schließlich: Weitaus effektiver für den Klimaschutz als E-Autos wäre eine Verlagerung des Verkehrs. Weg vom Privat-PKW und hin zu Bahnen, Bussen, zum Fahrrad und zum Zu-Fuß-Gehen müsste das Motto einer seriösen Umweltpolitik lauten. Und schließlich kommen die ADAC-Tester zum Ergebnis, dass selbst Verbrennungsmotoren durchaus noch ein „großes Potenzial“ hätten, Kraftstoff und damit CO2 einzusparen. Die Formel „Elektro-auto = Umweltschutz“ lässt sich jedenfalls nicht mehr so simpel halten.

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