Unterschätzte Gefahren

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Autonomes Fahren mit fatalen Folgen

So sehr die Technik bejubelt wird, so gefährlich ist sie derzeit noch. Verkehrsexperten machen auf etliche ungeklärte Fragen aufmerksam.

von Oliver Graue, 02.03.2018, 18:38 Uhr
Was darf, was muss ein „Fahrer“ im autonomen Auto tun?
Foto: Getty Images/iStockphoto

Den Grund für das tödliche Verhängnis nannte Tesla sofort: Wegen des hellen Himmels und der weißen Farbe des LKW-Anhängers sei die Elektronik „geblendet“ gewesen und habe deshalb nicht reagieren können. Den Fahrer des autonomen Fahrzeugs tröstet das nicht mehr. Er starb, als sein Tesla 2016 ungebremst in den Lastwagen knallte. Das war der bislang tragischste Unfall mit einem autonomen Auto, jedoch nicht der erste. Schon zuvor erwiesen sich die Tesla-Autopiloten als unzuverlässig. US-Medien berichteten unter anderem über ein Fahrzeug dieses Herstellers, das – zum Glück ohne Personenschaden – in einen stehenden Van fuhr.

Kaum ein Kongress, der sich mit Mobilität beschäftigt, kommt heute ohne das Thema „autonomes Fahren“ aus. Redner sogenannter innovativer Unternehmen werden frenetisch bejubelt, und eigentlich klingt alles so, als ob wir spätestens in zwei oder drei Jahren die Hände vom Steuer wegnehmen könnten. Und genau das ist das Problem – eines, das fatale Folgen haben könnte. Denn anders, als es die Verlautbarungen mancher Konzerne vermuten lassen: Technisch ist das autonome Fahren noch nicht ausgereift. Und das Recht ist auf einen solchen Umbruch nicht vorbereitet. Dennoch sind die Erwartungshaltungen immens. „Der Marktdruck ist gewaltig“, kritisiert Markus Maurer, Professor an der TU Braunschweig. „Die derzeitige technische Leistungsfähigkeit dieser Autos passt einfach nicht zur öffentlichen Erwartungshaltung“, warnt er Politik und Wirtschaft.

Was darf der „Fahrer“?

Die Systeme sind noch enorm fehlerbelastet – und die Gesetzgeber sind unvorbereitet. Was passiert, wenn es zu Unfällen mit schrecklichen Folgen kommt? „Natürlich wird es Tote geben“, sagt Maurer. Und wer haftet dann? Ist es dann doch wieder der Fahrer, wie es derzeit die Gesetze zum teilautonomen Fahren vorsehen? Eigentlich ist das unsinnig – und zwar in zweierlei Hinsicht. Erstens ist es doch Sinn des Autopiloten, dass die Menschen eben gerade nicht mehr steuern müssen und sich um andere Dinge kümmern können.

Und zweitens kann niemand in Situationen, in denen der Autopilot etwa wegen plötzlichen Schneefalls oder fehlender Straßenmarkierung versagt, innerhalb von 4 Sekunden selbst das Steuer übernehmen. Genau das aber schreiben die Gesetze vor. „Unsere Studien zeigen, dass man mindestens 12 Sekunden dazu braucht“, sagt der renommierte Unfallforscher Siegfried Brockmann. Dann aber könnte es zu spät sein. Übrigens kann der Computer auch nichts mit den höflichen Gesten anderer Autofahrer anfangen („Ich lasse dich vor!“).

Viel zu kurze Vorwarnzeiten, unsichere Technik und mangelnde Rechtssicherheit: All diese Punkte kritisierten die Experten jetzt beim Deutschen Verkehrsgerichtstag in Goslar. Auch ein 2017 vom Bundestag beschlossenes Gesetz klärt nicht, was Menschen in einem autonomen Auto wirklich tun dürfen. Die Experten zweifeln auch daran, bei Schäden weiterhin den „Fahrer“ haftbar zu machern: Müsste hier nicht eigentlich der Fahrzeughersteller zahlen, weil seine technischen Systeme schlappgemacht haben?

Weitere Gefahren bleiben

Autonomes Fahren kann funktionieren – auch das betonen die Verkehrsexperten. Allerding nur dann, wenn sich sämtliche Autos automatisch fortbewegen und sich keine „klassischen“ Fahreuge mehr darunter mischen. Und wenn die Systeme voll- und nicht wie bisher teilautomatisch agieren. Bis dahin dürften aber noch mehrere Jahrzehnte vergehen. Die Frage ist, ob Wirtschaft und Politik dem Erwartungsdruck so lange standhalten können. Und selbst dann sind die Probleme nicht beseitigt. Denn natürlich sind Hackerangriffe auf elek-tronische Systeme ebenso möglich wie ein Absaugen empfindlicher Daten, ohne die das autonome Fahren nicht auskommt.

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