MICE in Le Havre

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So schön ist Beton

Als „Stadt der Moderne“ wurde die nordfranzösische Metropole nach 1945 wiederaufgebaut. Doch was jahrzehntelang die Menschen abschreckte, lockt sie inzwischen.

von Oliver Graue, 17.04.2018, 12:20 Uhr
Leuchtturm des Glaubens: die Beton-Kirche von Le Havre.
Foto: Getty Images/iStockphoto

Romantisches Hafen-Flair, verwinkelte Altstadtgassen mit den typischen bunten Fischerhäuschen? Was viele Hafenstädte in Europa auszeichnet, hat Le Havre nicht. Ganz im Gegenteil: Die nordfranzösische Stadt, im Zweiten Weltkrieg fast komplett zerstört, bietet Beton pur. Wohnbauten, Bürobauten, Museen und selbst Kirchen: alles aus Zement. Und durch die gradlinigen Straßen und über die großen Plätze, auf dem Reißbrett geplant, pfeift der Wind.

Hässlich? Kühl? Mausgrau? Ach was, überhaupt nicht. Le Havre, 173.000 Einwohner und damit größte Stadt der Normandie, ist cool. Seit einigen Jahren strömen Touristen dorthin, entdecken Unternehmen die Stadt als Standort für ihre Events und Kongresse. Und die Unesco hat Le Havre 2005 auf die Liste des Weltkulturerbes gesetzt. Besonders Architektur-Interessierte zieht es in Frankreichs Norden — und Unternehmen, die irgendetwas mit Städtebau, Kunst oder Avantgarde zu tun haben, bietet die Stadt ein nahezu ideales Umfeld für ihre Tagungen und Veranstaltungen.

Sowjetstadt des Westens

Vor allem für ehemalige DDR-Bürger dürfte der Wiedererkennungswert groß sein. Denn mit ihren Beton-Wohnblocks, den anderen monumentalen Gebäuden und den breiten Boulevards erinnert Le Havre städtebaulich an die Sowjetzeit. Es ist eine Art Mischung aus Stalin-Architektur (allerdings weitgehend ohne die typischen Zuckerbäckerstil-Elemente), aus schlichtem Plattenbau (aber ohne Platten) und vielen avantgardistischen Elementen. Diese werden zum Beispiel in der vulkanartigen Form des Kulturzentrums sichtbar – das denn auch passend „Le Volcan“ heißt. Oder in den viel vorhandenen Glas-Elementen, ob in der Kirche oder in den Fassaden der Wohnhäuser. In der Sonne schimmern diese in den unterschiedlichsten Farben.

Die jüngere Vergangenheit der Stadt ist tragisch: Im Jahre 1944 hatten britische Bomber Le Havre in Schutt und Asche gelegt. Mehr als 5000 Bewohner wurden dabei getötet, 12.500 Gebäude zerstört. Doch statt sich an die Wiedererrichtung der historischen Bauten zu machen, stellte Frankreichs Regierung einen Masterplan für eine „Stadt der Moderne“ auf – klar und nützlich. Was wiederum ein wenig an die westdeutsche Stadt Kassel erinnert.

Geht auch bunt: Le Havre.
Foto: Getty Images/iStockphoto

Den Auftrag zum Neubau erhielt der französische Architekt Auguste Perret. Gemeinsam mit 60 Architekten errichtete er zunächst 100 Gebäude im Zentrum – aus Beton, den er aus den zermahlten Kriegstrümmern herstellte. Riesige Wohnblocks säumen seither die langen Straßenachsen und breiten Boulevards. Geschmückt sind die Häuser mit vielen Säulen und klaren, einfachen Ornamenten.

Europas größter Rathausplatz

Zu den architektonischen Höhepunkten gehört das Rathaus mit einem 72 Meter hohen Turm und dem größten Rathausplatz Europas. Ein Meisterwerk ist auch die Kirche St. Josef: Für die äußere Form standen die sogenannten Beinhäuser des Ersten Weltkriegs Pate, wo die Gebeine der Toten aufbewahrt wurden. Im Innern sorgen bei Sonnenschein fast 13.000 Glasbausteine für funkelndes Licht.

Und das Kulturzentrum Le Volcan entstammt den Plänen des deutsch-brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer, der auch die brasilianische Hauptstadt Brasília entwarf – neben Le Havre das weltweit einzige Städtebau-Ensemble unter Unesco-Schutz. Im Fokus standen und stehen immer: klare Linien, viel Platz und ebenso viel Licht. Für die Wohnungen in den Betonhäusern werden heute Kaufpreise von gut 500.000 Euro gezahlt.

Sein besonderes Licht machte auch schon das alte Le Havre zu einem Anziehungspunkt: für die Künstler des Impressionismus. Stars wie Claude Monet haben hier gearbeitet. Den besten Überblick erhält man im Musée André Malraux: Es beherbergt eine der größte Impressionisten-Sammlungen in Frankreich.

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