MICE-Tipp Mittelhessen

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So märchenhaft ist Marburg

Sie steht meist im Schatten Frankfurts, verfügt aber über eine attraktive Altstadt und beste MICE-Locations: Marburg hat sogar ein eigenes Kongresszentrum.

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von Oliver Graue, 12.02.2018, 12:31 Uhr
Wunderschönes Marburg: Blick aufs Schloss
Foto: pure-life-pictures - stock.adobe.com

In den Regalen steht, liebevoll dekoriert, Olivenöl neben selbstgemachter Marmelade, und neben Saft aus eigenen Äpfeln liegen prall gefüllte Kartoffelsäcke. Sorten wie Rote Emma oder Blaue Sankt Galler, nur noch selten angebaut, sind hier im alten Eselstall zu bekommen. Die Grautiere freilich sind lange schon ausgezogen; eingezogen ist stattdessen das Lädchen „Feldfrisch & Fein“. Das wiederum ist Teil des Hofguts Dagobertshausen: eine ländliche Idylle, rund sechs Kilometer von Marburg entfernt.

Marburg – für Simon Hunger begannen schon damit die Probleme. „Als ich 2009 das Angebot erhielt, in Marburg Küchenchef im Vila Vita zu werden, musste ich erst einmal nachschauen, wo das überhaupt liegt“, erzählt er und lacht. Heute fühlt er sich wohl in der mittelhessischen Stadt. „Studentisch geprägt, eine hübsche Altstadt und alles noch sehr traditionell, einschließlich der Küche.“ Sonntags komme beispielsweise noch der klassische Braten auf den Tisch, und überall gebe es noch echte Landmetzgereien. „Schön ist es“, sagt Hunger, der aus Tübingen stammt.

Tagen auf dem Hofgut

Seit 2015 leitet er das Vila Vita Rosenpark als Geschäftsführer. Im selben Jahr begannen die Eigentümer, die Deutsche Vermögensberatung (DVAG), mit einer grundlegenden Modernisierung des Hotels. Inzwischen strahlt das Haupthaus in neuem Glanz, und ein Kronleuchter aus edlem Murano-Glas schmückt den großzügigen Eingangsbereich, der noch um einen Kamin und eine Bücherwand erweitert werden soll.

Längst hat sich das Vila Vita Marburg, das im Jahr 2000 von DVAG-Chef Reinfried Pohl und seiner Ehefrau Anneliese eröffnet wurde, in Marburg breitgemacht. Zur Gruppe gehören heute neben dem Hotel fünf Restaurants, zwei Cafes, ein Bistro, ein Feinkostgeschäft, eine eigenes Kongresszentrum sowie – in der Pfalz – das Weingut am Nil. Und eben das Hofgut Dagobertshausen. Erdbeer-, Getreide- und Spargelfelder zählen ebenso dazu wie Kartoffeläcker, eine Reitsportanlage und eine kleine Pension, die mit ihren acht Zimmern komplett angemietet werden kann. Die beiden einstigen Scheunen bieten heute Platz für bis zu 90 und 140 Event-Teilnehmer, und gleich daneben betreiben die Pohls das Restaurant Waldschlösschen, ein mittelhessisches Fachwerk-Schiefergebäude, in dem früher mal ein Mädchen-Internat untergebracht war.

Das Kongresszentrum, 2011 eröffnet, wird von der DVAG natürlich auch für eigene Konferenzen und Tagungen genutzt. Darüber hinaus lockt der 50 Mio.-Euro-Bau des Marburger Architekten Gerd Kaut auch externe Kunden in die mittelhessische Stadt – und soll die Stadt als MICE-Standort etablieren. Bis zu 400 Teilnehmern bietet das Gebäude mit seinem großen und lichtdurchfluteten Foyer Platz. Davon wiederum profitiert die gesamte lokale Hotellerie, vom Welcome-Hotel bis zum Marburger Hof und vielen kleineren Häusern.

Besonderer Hingucker im Kongresszentrum ist der G-8-Strandkorb aus Heiligendamm, in dem sich 2007 die Führer der acht wichtigsten Industrienationen ablichten ließen. Eine Dauerausstellung beleuchtet die Geschichte der Finanzbranche in Deutschland – Pohl gründete seine DVAG im Jahre 1975 mit 125.000 D-Mark geliehenem Kapital, heute sorgen ihre 14.000 Handelsvertreter für einen Jahresumsatz von 1,3 Mrd. Euro. Beiratschef war lange Zeit Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl (heute ist es Theo Waigel). Und Formel-1-Fans dürften an der bis Februar 2018 laufenden Michael-Schumacher-Ausstellung Gefallen finden, natürlich mit Original-Rennwagen des siebenfachen Weltmeisters.

Für Marburg sind die Investitionen Pohls ein deutlicher Schritt nach vorn. Was die historische und kulturelle Attraktivität der Stadt angeht, kann sie längst mit anderen Regionen mithalten: Da Marburg von den Bomben des 2. Weltkriegs nahezu verschont blieb, präsentiert sich die die Häuserkulisse der Altstadt seit Jahrhunderten fast unverändert. Hübsche Fachwerkbauten prägen das Bild, ganz besonders am Marktplatz in der Oberstadt, die auch per Lift zu erreichen ist. Sehenswürdigkeiten sind zudem das weithin sichtbare Schloss auf einer Höhe von fast 300 Metern sowie die Elisabethkirche, im Jahre 1283 errichtet und Vorbild für den Kölner Dom.

Zu den berühmtesten Söhnen der Stadt zählen die Gebrüder Grimm, die an der Marburger Universität Rechtswissenschaften studiert haben. Rundfahrten in die Umgebung zu den „Schauplätzen“ der Grimmschen Märchen und der Deutschen Märchenstraße sind beliebte Rahmenprogramme. Und dass der neobarocke Marburger Bahnhof vor zwei Jahren als „Bahnhof des Jahres“ ausgezeichnet wurde, ist maßgeblich Pohl zu verdanken, der den Umbau der Station zu einer „hellen, stillen Alltagsschönheit“, wie die Jury befand, mit finanziert hat. Die ebenfalls neue Lahnpromenade heißt – nach der verstorbenen Seniorchefin benannt – Anneliese-Pohl-Allee.

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