MICE-Ziel Holzminden

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An der Nase herumgeführt

Wenig bekannt, aber einen Besuch wert: Das südniedersächsische Holzminden und das Weserbergland locken mit Unesco-Welterbe, Düften und viel Natur. Ein Geheimtipp für MICE-Planer.

von Oliver Graue, 05.06.2018, 08:56 Uhr
Marktplatz von Holzminden.
Foto: imago/Jochen Tack

Hinter ihm sind Dutzende Blumentöpfe mit Kräutern aufgereiht. Vor ihm sitzen gespannt lauschende Zuhörer: Michael Brodder, Inhaber einer Kräutergärtnerei, weiß alles über die Pflanzen, ihre Lebensräume und ihre Düfte – und er versteht es, sein Know-how in packender Weise weiterzugeben. Nicht weniger spannend ist das, was danach Karin Fischer über Heilkräuter erzählt: vom Mutterkraut, das gegen Migräne wirkt, bis zum Spitzwegerich als Hustenmittel.

Im Torhaus-Museum von Holzminden geht es mal um Kräuter und Pflanzen, ein anderes Mal um indische Gewürze, Wein, Bier oder Kaffee: In 30 Seminaren entführt die südniedersächsische Stadt in die Welt der Düfte und Aromen. Wer will, kann sein eigenes Parfüm kreieren, beim Gin-Tasting den perfekten Gin-Tonic mixen oder gar zum Seifenkünstler werden. Und wie verblüffend komplex selbst Bier-Aromen sind, erläutern Spezialisten der nahen Brauerei Allersheim.

Das ist noch lange nicht alles, was Holzminden seinen Besuchern bietet. Viermal lädt die Stadt zwischen Göttingen und Paderborn, zwischen Hannover und Kassel in diesem Jahr zum „Bunten Markt der Düfte und Aromen“ ein. Und bis Oktober können sich Gäste zu einem sogenannten „Duftenden Stadtspaziergang“ aufmachen.

Auf der touristischen Landkarte gehört Holzminden noch zu den eher unbekannten Gebieten. Als Ausgangspunkt für ihre Wanderungen nutzen derzeit vor allem Gäste des Weserberglands das 22.000-Einwohner-Städtchen: Der idyllische Naturpark Solling-Vogler liegt gleich vor ihren Toren.

Weltmarktführer der Düfte

Dabei bietet die Stadt selbst ebenfalls eine Menge. Das hat sie – zumindest teilweise – einem der weltweit größten Firmen der Duft- und Aroma-Industrie zu verdanken: Symrise, global die Nummer zwei der Branche, sitzt in Holzminden. Sie hat den Ort zu einem Zentrum der Riech- und Geschmacksstoffindustrie gemacht. Oder besser gesagt: Sie hat diese Rolle bestätigt.

Denn bereits 1874 trat das Vanillinaroma von Holzminden aus seinen Siegeszug um die Welt an. Erfunden wurde es von den Chemikern Wilhelm Haarmann und Ferdinand Tiemann, die im selben Jahr noch das Symrise-Vorgängerunternehmen Haarmann’s Vanillinfabrik gründeten.

Und so dreht sich in der Weserstadt vieles um Düfte und Aromen. Besucher erkunden den Ort am besten beim erwähnten „Duftenden Stadtrundgang“: An insgesamt 18 Stelen lässt sich Geschichte erriechen. Zusätzlich gibt es Informationen zu den Sehenswürdigkeiten, vor denen sie zu finden sind, und natürlich zum jeweiligen Duft.

Bunter Markt der Düfte

An 18 Duftstelen lässt sich Stadtgeschichte erriechen.
Foto: Stadtmarketing Holzminden GmbH

Geführte Rundgänge bietet die Stadt bis Oktober jeden Samstag um 11 Uhr an. Spannend für Veranstaltungsplaner: Sowohl die Seminare als auch die Rundgänge lassen sich für Gruppen buchen – als Incentive oder Rahmenprogramm für eine Tagung in Holzminden.

Noch ausgiebiger und intensiver lässt sich am 12. Mai, 7. Juni, 21. Juli und 21. August 2018 schnuppern: beim „Bunten Markt der Düfte und Aromen“ rund um den Marktplatz. Von Duftseifen über Raumdüfte bis zu ungewöhnlichen Spezialitäten reicht das Angebot. Kräuter, Gewürze, Tees und Weine laden überdies zum Testen und Probieren ein. „Viel Platz zum Durchatmen“, so wirbt Holzminden denn auch für sich. Oder: „Wir leisten uns gerne guten Geschmack.“

Zwei Uneso-Welterbestätten

Und wer genug gerochen hat, der entdeckt einfach weitere Attraktionen, die das Städtchen bietet. Beispielsweise den von 21 prächtigen Platanen und hübschen Fachwerkhäusern geprägten Marktplatz oder das 1929 errichtete Reichspräsidentenhaus. Letzteres am besten mit dem erfrischenden Duft von Zitrusfrüchten in der Nase, der aus der Stele strömt.

Zudem sind gleich zwei Unesco-Welterbestätten nur wenige Autominuten von Holzminden entfernt. Die mächtige ehemalige Benediktinerabtei Corvey steht in der Nachbarstadt Höxter: Als weltweit einmalig gilt das fast 1200 Jahre alte karolingische Westwerk, das der ehemaligen Klosterkirche vorgelagert wurde. Besichtigen lassen sich aber auch die Abteikirche, das Museum und die Fürstliche Bibiliothek. Noch bis zum 17. Juni läuft die Foto-Ausstellung „Zum Fressen Gern“.

Ein Highlight für Architekturfans ist das Fagus-Werk in Alfeld. Die Fabrik, in der auch heute noch Schuhleisten hergestellt werden, steht seit 2011 unter Unesco-Schutz. Im Jahre 1911 von Walter Gropius entworfen, leitete der Bau einst eine neue Epoche der Architekturgeschichte ein – den Bauhaus-Stil.

Ein ausgezeichnet gestaltetes Museum vermittelt Besuchern Einblicke in die Bauhaus-Historie, ins Leben von Gropius sowie in die Schuhmode der letzten 100 Jahre – einschließlich Hunderter Originalmodelle.

Holzminden in Kürze

Lage: am Mittelgebirge Solling im Oberen Wesertal (Niedersachsen). Rund 80 km südlich von Hannover. 22.000 Einwohner.

Anreise: über die Bundesstraßen 64, 83 und 497. Mit der Bahn von Hannover, Braunschweig, Göttingen und Paderborn.

Bunter Markt der Düfte und Aromen: 12. Mai, 7. Juni, 21. Juli und 21. August rund um den Marktplatz

Infos: www.stadtmarketing-holzminden.de

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