MICE-Ziel USA

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Der Kampf begann in Memphis

Vom Busboykott 1955 bis zum Mord an Martin Luther King: Die US-Südstaaten-Metropole hat Bürgerrechtsgeschichte geschrieben.

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von Holger Jacobs, 23.08.2018, 11:35 Uhr

Memphis ist ein besonderer Ort: In nur wenigen US-Städten dürften so viele Schilder stehen, die auf geschichtliche Ereignisse hinweisen wie in dieser Stadt. Das liegt nicht etwa an einem übersteigerten Geltungsbedürfnis, sondern zeugt von den vielen historisch bedeutsamen Orten. In der südwestlichsten Stadt von Tennessee wurde der Bürgerrechtler Martin Luther King erschossen – vor 50 Jahren. Zum Todestag, von den Amerikanern kurz „MLK 50“ genannt, wartet die Region mit Ausstellungen, Konzerten und Symposien auf – und mit einem neuen Museum in Jackson. Ein geradezu perfektes Rahmenprogramm für einen MICE-Trip in die amerikanische Metropole.

Zur Bürgerrechtsgeschichte reiht sich allein in Memphis eine Station an die nächste: Im Clayborn Temple trafen sich in den 60ern die Bürgerrechtler, um Proteste wie den Streik der Müllarbeiter 1968 zu organisieren. Im Mason Temple hielt Martin Luther King einen Tag vor seiner Ermordung seine berühmte Rede „I’ve been to the mountaintop”, im Lewis Funeral Home lag er später aufgebahrt.

Zuflucht für die Sklaven

Eine Besuch wert ist „Slave Haven“: Im Keller des Burkle House fanden im 19. Jahrhundert geflohene Sklaven Zuflucht, ehe sie bei Nacht und Nebel im Rahmen der Underground Railroad, einem geheimen Netzwerk, in den „freien“ Norden der USA oder weiter nach Kanada gelangten. Das mit Fotos, Bildern, Dokumenten und Artefakten vollgestopfte Holzhaus informiert darüber, unter welch erbärmlichen Bedingungen Schwarze in Afrika interniert, wie Vieh in die Neue Welt verschifft, dort verkauft und unterjocht und nach ihrer Flucht verfolgt und bestraft wurden.

Man erfährt im Slave Haven faszinierende Details – etwa wie die Sklaven, die weder lesen noch schreiben lernen durften, mit ihren Rettern über Flickendecken kommunizierten: Die Motive der verzierten Flicken-Steppdecken waren Chiffren für fluchtwillige Sklaven. Fliegende Gänse und der Nordstern appellierten zur Flucht gen Norden, der „Gang des Trinkers“ riet dazu, im Zickzack laufend die Verfolger abzuschütteln. Ähnliche Codes enthielten die christlichen Lieder, die keineswegs nur geistliche Gesänge waren: Ein „Angel“ ist auch ein Fluchthelfer, „Jordan“ der Ohio River, über den es gen Norden in die Freiheit ins „gelobte Land“, nach „Sweet Canaan“, geht.

Einen tieferen Einblick gibt es im National Civil Rights Museum im einstigen Lorraine Motel: In den 60ern war es das einzige Hotel, in dem Schwarze absteigen und sich treffen konnten. Am 4. April 1968 wurde hier Martin Luther King auf dem Balkon seines Zimmers erschossen. „Heute sind die Themen der Bewegung aktueller denn je“, sagt Faith Morris, Marketing-Chefin des Museums. Das Museum ist stetiger Katalysator für soziale Belange in Zeiten von Black Lives Matter, der Bewegung contra Polizeigewalt gegen Farbige. Auch mit Blick auf eine Regierung, die sich weder um klare Worte noch wirkungsvolle Maßnahmen gegen Rassismus bemüht, und auf die Diskussion um die Statuen ehemaliger Sklavenhalter sind die Themen der Bürgerrechtsbewegung aktueller denn je.

Gerade für MICE-Gruppen empfiehlt sich eine geführte Tour: Den engagierten Guides gelingt es immer wieder, Bezüge zur Gegenwart herzustellen und die Wurzeln des Rassenhasses in den USA offenzulegen. Deutlich wird, dass das Leiden der Schwarzen mit Abschaffung der zweieinhalb Jahrhunderte währenden Sklaverei keineswegs endete: Die Ende des 19. Jahrhunderts in den Südstaaten eingeführten Jim-Crow-Gesetze manifestierten bis in die 1960er Jahre die Segregation, die Ungleichbehandlung der Farbigen.

Tödliche Schüsse

Den mühsamen Weg der Bürgerrechtler zeichnet das Museum Schritt für Schritt nach: Ein alter Bus erinnert an den Busboykott von Montgomery 1955, ausgelöst durch die Weigerung der Farbigen Rosa Parks, ihren Sitz für einen Weißen freizugeben. Ein Lunchtresen erinnert an die Zusammenkünfte, sogenannte Sit-ins, im Jahr 1960.

Und am Ende heißt es dann innehalten am Tatort, am originalgetreu ausstaffierten Zimmer Martin Luther Kings. Im Lagerhaus gegenüber, von wo der Weiße James Earl Ray schoss, wird ein Katalog nach wie vor unbeantworteter Fragen nach den Auftrag- und Geldgebern des Attentäters präsentiert – und das Vermächtnis Martin Luther Kings bewahrt.

„Wir leiden immer noch unter einigen der Missstände von damals. Freiheit gibt es nicht umsonst“, mahnt Myrlie Evers, Witwe des Bürgerrechtlers. Museen wie die in Memphis sind für sie ein Appell, sich weiter zu engagieren.

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