Iberische Halbinsel

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Verheerende Brände mit etlichen Toten

Nach monatelanger Trockenheit wüten Wald- und Buschbrände auf der iberischen Halbinsel. Die Flammen erreichen Fischerdörfer am Atlantik. In Galicien gibt es Hinweise auf Brandstiftung. Trotz der Krise um Katalonien reist Regierungschef Rajoy in die Region.

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17.10.2017, 09:30 Uhr

Extreme Dürre und vermutlich Brandstiftung: Auf der iberischen Halbinsel sind bei Waldbränden mindestens 39 Menschen ums Leben gekommen. Besonders betroffen waren Nord- und Mittelportugal, wo die Brände schon zum zweiten Mal in diesem Jahr katastrophale Ausmaße erreichten. Allein dort verloren nach Behördenangaben mindestens 35 Menschen ihr Leben, darunter ein Säugling. Sieben Menschen wurden vermisst, 56 Bewohner wurden verletzt, 16 von ihnen schwer. In Nordwestspanien wurden vier Todesopfer gemeldet.

Das portugiesische Fernsehen zeigte bewegende Szenen. „Das ist die Hölle, das ist die Hölle“, rief eine Rentnerin. „Ich weiß nicht, wo meine Schwester ist.“ Viele Menschen klagten, sie seien von den Behörden ihrem Schicksal überlassen worden. „Hier haben wir keinen einzigen Feuerwehrmann gesehen“, sagte eine Frau namens Elena in der Ortschaft Vila Nova de Poiares unweit der Uni-Stadt Coimbra dem Sender RTP. „Wir haben das Feuer mit Schlauch und Wasserflaschen bekämpft.“ Die Behörden riefen die Menschen am Montag dazu auf, selbst gegen die Flammen vorzugehen, da nicht überall auf die Feuerwehrleute gewartet werden könne.

Ein Sprecher der Zivilschutz-Behörde wies Kritik an den Behörden zurück: Grund für die Eskalation sei nicht eine falsche Strategie der Brandbekämpfung, sondern die Heftigkeit der Brände und die besonders große Trockenheit in diesem Jahr. Nach Angaben der Behörde sind weit mehr als 5000 Feuerwehrleute im Einsatz. Südwind fachte die Brände an. Die Einsatzkräfte hoffen auf ein Atlantiktief, das für die kommenden Tage Regen bringen soll.

Besonders betroffen waren die Bezirke Coimbra und Castelo Branco in der Mitte Portugals sowie weiter nördlich der Bezirk Viseu. Ein Sprecher der Zivilschutz-Behörde nannte am Abend noch 50 aktive Brandherde, davon 31 besonders heftig wütende Feuer.

Der Bürgermeister von Vila Nova de Poiares im Bezirk Coimbra, João Miguel Henriques, schätzte nach einer Meldung der portugiesischen Nachrichtenagentur Lusa, dass in diesem Sommer etwa 70 Prozent der Umgebung verbrannt und einige Dutzend Häuser zerstört wurden.

Viele Schulen wurden nach Angaben des Bildungsministeriums geschlossen. Zahlreiche Straßen waren nicht mehr passierbar. „Ich habe noch nie einen Brand mit einem so großen Grad der Zerstörung erlebt“, sagte der Bürgermeister von Castelo de Paiva, südöstlich von Porto.

Die Flammen erreichten auch Fischerdörfer an der Atlantikküste. In der Kleinstadt Mira im Bezirk Cuimbra brannten zahlreiche Häuser nieder, wie die Zeitung „O Público“ in einem Live-Ticker berichtete. Auch in der Umgebung seien Dörfer betroffen, sagte der Präsident des Stadtrats von Mira, Raúl Almeida, laut Lusa. Nur mit freiwilligen Helfern sei es der Feuerwehr in Mira gelungen, ein weiteres Vordringen der Flammen zu stoppen.

Nach einem Hilfsgesuch Portugals konnte die EU-Kommission zunächst nicht helfen. Die Regierung in Lissabon habe am Sonntagabend um Löschflugzeuge gebeten, sagte ein Sprecher der Brüsseler Behörde am Montag. Man sei aber abhängig von dem Gerät, das andere EU-Staaten zur Verfügung stellten. „Sobald ein Angebot verfügbar ist, wird es schnell auf den Weg gebracht“, sagte der Sprecher.

 
 
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