Interview mit Michael Müller

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„Reiseführer müssen auch unterhalten!“

Michael Müller führt einen der großen deutschen Reisebuchverlage. Lohnt sich Print tatsächlich noch? BizTravel sprach mit dem 64-Jährigen.

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von Oliver Graue, 11.10.2017, 13:27 Uhr
Michael Müller
Foto: Privat

Herr Müller, über welche Reiseziele würden Sie gern noch einen Führer veröffentlichen?

Wir würden wahnsinnig gern noch mehr in den außereuropäischen Raum gehen. Doch es ist gar nicht so leicht, Autoren dafür zu finden, da wir uns natürlich dieselbe Qualität wie bei den europäischen Titeln wünschen. Das setzt voraus, dass man sich gut auskennen, die Landessprache zumindest rudimentär sprechen und eine echte Leidenschaft für „sein“ Reisegebiet haben müsste. Letzteres war uns immer wichtig, sonst wird es mit dem Durchhaltevermögen schwierig …

Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, ob Sie über eine Destination einen Führer herausgeben oder nicht?

Ich erinnere mich daran, dass wir den Titel „Genferseeregion“ gemacht haben, weil das Manuskript unglaublich akribisch und gut geschrieben war – obwohl wir diese Region eigentlich gar nicht auf dem Schirm hatten … Davon abgesehen geht es um weiße Flecken auf der europäischen Landkarte, Limnos und Chios sind solche Beispiele, aber auch der Band zur Auvergne und zum Limousin hat uns gereizt, weil es dazu noch keinen deutschsprachigen Reiseführer gegeben hat.

Welchen persönlichen Lieblingsreiseführer haben Sie in Ihrem Sortiment?

Ich mag die Schreibe von Eberhard Fohrer sehr. Er hat uns damals durch seine Interrail-Bücher sogar in den „Spiegel“ gebracht, eine unglaubliche Ehre für so einen kleinen Wohnzimmerverlag, der wir einst gewesen sind. Auch das Ekuador-Buch hat mich stets beeindruckt. Volker Feser legt eine wunderbare Recherchewut an den Tag, wobei ihm zugutekommt, dass er in Quito lebt.

Baedeker, Polyglott, Dumont – als Sie 1979 Ihren Verlag gründeten, gab es bereits andere Verlage, die Reiseführer veröffentlichten. Was wollten Sie anders machen als diese?

Es ging um die reisepraktischen Tipps: um das, was heute in nahezu allen Reiseführern enthalten ist. Wir wollten es etwas weniger bildungsbürgerlich angehen, schon über die Sehenswürdigkeiten schreiben, doch auch ironisch, mit Augenzwinkern und dabei ehrlich sein und auch werten. Ich finde ja, dass Reiseführer unbedingt unterhaltsam sein dürfen.

Wollten Sie immer schon Verleger werden?

Ganz ehrlich: Ich wäre am liebsten Autor geblieben. Doch Martin Velbinger, von dem ich gelernt habe und der meine ersten Bücher zum Beispiel zu Südfrankreich verlegt hat, war ein schwieriger Kandidat, weshalb es der eigene Verlag sein musste. Nach knapp 40 Jahren kann ich sagen, dass ich es nicht bereut habe, wenngleich die ersten zehn Jahre hart waren – so bei Wasser und Brot, wenn auch in Freiheit.

Erinnern Sie sich an Ihre ersten Bücher?

Portugal war damals für mich ein großer Brocken, 800 km von Nord nach Süd, immer wieder Abstecher ins Landesinnere bis zur Grenze zu Spanien. Bei der zweiten Auflage kamen noch die Azoren und Madeira mit rein. Das hieß, monatelang allein unterwegs zu sein, oft jede Nacht in einem anderen Ort. Aber dabei erfüllte sich schon so etwas wie ein kleiner Lebenstraum. Reisen und darüber zu schreiben – eigentlich gibt’s nichts Schöneres.

Wie würden Sie Ihre Zielgruppe definieren? Sind es nur die individuell Reisenden?

 
 
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