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Wie würden Sie Ihre Zielgruppe definieren? Es dürften nicht die Pauschaltouristen sein.

So eng würde ich das nie sehen. Wer einen Landstrich oder eine Stadt erleben, also Dinge selbst ausprobieren mag, kommt zu uns – wobei wir niemanden bevormunden wollen. Es geht nur darum, den Blick zu weiten auf etwas Unbekanntes, das seinen Reiz hat.

Welche Auflagen erreichen Sie heute?

Das Problem besteht darin, dass es mindestens 4000 Exemplare pro Auflage sein müssen. Sonst lohnt sich der ungeheure Aufwand nicht. Früher, in den 80ern, konnte man immer nur einen Teilbereich recherchieren – das nächste Mal machte man eben die Region komplett. Das geht heute nicht mehr.

Print stirbt, heißt es immer wieder. Spiegelt sich das in Ihren Auflagen wider?

Verrückterweise nicht. Manchmal bin ich fast etwas enttäuscht, dass unsere Apps und E-Books insgesamt nicht mehr als zwei Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen. Enttäuscht deshalb, weil wir in die digitalen Versionen sehr viel Gehirnschmalz und Geld stecken.

Reiseführer landen in den Läden recht schnell in der Wühlkiste. Inwiefern schmälert das die Umsatzerfolge?

Dieses Phänomen kommt uns zugute, da unsere Bücher nur deshalb Dauerseller sind – und die Autoren davon profitieren. Wer bei uns die Erstauflage geschrieben hat, dem gehört der Band auch in der 20. Auflage. Mit der Folge, dass der Anfangsaufwand enorm, die Neurecherche aber weniger aufwändig ist.

Wann werden wir nur noch mit Apps oder Google Maps verreisen?

Das kann schon nächstes Jahr passieren, sofern es Google gelingt, diejenigen Infos einzufangen, die man während einer Reise wirklich braucht. Wir sind ja immer noch wahnsinnig gute Dienstleister. Das kann Google als Suchmaschine so nicht bieten. Auch Tripadvisor gelingt das nicht, da man sich durch so viele rein subjektive Stimmen wühlen muss, von Fake-Besprechungen ganz abgesehen.

Wie haben sich Reiseführer den veränderten Reisegewohnheiten angepasst?

Was sich sehr verändert hat, ist der Anspruch der Leser auf Vollständigkeit und auf Aktualität. Bitte richtig verstehen: Beides stört mich nicht. Doch man muss dabei sehr genau darauf achten, dass man immer noch die absoluten Top-Tipps in unseren Büchern findet. Deshalb hatten wir im Frühjahr den Relaunch bei den Citys. Mir ist es wichtig, dass man sich gut zurechtfindet in unseren Reiseratgebern.

Rentiert sich die Arbeit für Ihre Autoren überhaupt finanziell?

Das kommt ganz darauf an, wie man rangeht. Für viele Autoren ist es ein Leidenschaftsprojekt, eine Unternehmung, die sie immer schon machen wollten. Andere leben von ihren Büchern. Darunter einige, die längst mehr verdienen als ich selbst in den ersten 20 Jahren.

Wie kommen Sie auf die passenden Autoren? Bewerben sich diese bei Ihnen direkt mit Destinationsvorschlägen?

So ist es tatsächlich.

Manche Ihrer Führer enthalten Hunderte von Reisetipps – da kann ein Autor unmöglich überall selbst gewesen sein. Wie kommen sie dennoch zu den Tipps?

Da muss ich Ihnen widersprechen! Sicher, es gibt Lesertipps, die wir auch so kennzeichnen und die quasi auf den letzten Drücker ins Buch kommen. Doch alles andere schaut man sich an. Wir machen keine Schreibtischbücher, die Recherche ist immer vor Ort. Allerdings kann man nicht überall übernachten oder gar essen, klar. Doch ein Inkognito-Kurztest muss schon sein.

Wo zieht es Sie selbst auf Reisen hin?

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