Kommentar zu Winkelmann

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Grenzenlose Gier

Eine gescheiterte Airline, viele Arbeitslose, fast 200.000 wertlose Tickets: Eine Negativbilanz, die sich Air-Berlin-Chef Winkelmann mit 4,5 Mio. Euro bezahlen lässt. In unserer Wirtschaft läuft offenbar eine Menge schief.

von Oliver Graue, 20.10.2017, 10:51 Uhr

Nein, niemand kann und will Thomas Winkelmann persönlich verantwortlich machen: Wohl nur wenige Menschen sind in der Lage, auf etwas zu verzichten, das ihnen angeboten wird. 4,5 Mio. Euro nehmen oder nicht nehmen – für die weitaus meisten von uns wird es da nur eine einzige Antwort geben, egal ob Arbeiter oder Vorstandsvorsitzender. Denn Gier ist – und da komme bitte niemand mit Moral – leider eine zutiefst menschliche Eigenschaft.

Viel schlimmer aber sind die Folgen, die solch ein Verhalten auf unsere Gesellschaft hat: Immer mehr Menschen, die wirtschaftlich in die Ecke getrieben sind, wenden sich angeekelt ab von dem, was wir „soziale Marktwirtschaft“ nennen. Die Folgen werden bei Wahlen deutlich: Wenn die etablierten Parteien nicht mehr in der Lage sind, für Gerechtigkeit zu sorgen und Gier-Exzesse deutscher Manager zu verhindern, dann wird das Kreuzchen eben bei einer populistischen Partei gemacht.

Fakt ist: Längst nicht alle 8000 Air-Berlin-Beschäftigten werden schnell wieder einen neuen Job bekommen und schon gar keinen, der genau so gut bezahlt ist wie der alte. Zudem müssen fast 200.000 Menschen, die ein Air-Berlin-Ticket gekauft haben, auf ihr Geld verzichten. Das sind – so schlimm wie es klingt – „normale“ Folgen einer Großpleite, und man kann nur hoffen, dass all dies gerade für die Angestellten einen guten Ausgang nimmt.

Und ohne Frage: Winkelmann hat keinen schlechten Job gemacht. Dass auch seine Mission gescheitert ist, daran trägt er natürlich keine Schuld. Und nach wie vor ist er bemüht, für Arbeitnehmer wie für die Reste der Airline das Beste herauszuholen. Dafür gebührt ihm Respekt.

Schlichtweg unanständig ist es aber, sich eine solche Pleite mit 4,5 Mio. Euro versüßen zu lassen, während Tausende andere Beschäftigte um ihre Zukunft bangen. Schuld daran sind natürlich auch diejenigen, die Winkelmann das Angebot unterbreitet haben nach dem Motto: Ohne solch hohen Gehälter findet man heute ja keine guten Manager mehr. Und das ist nun wirklich plump und unsinnig.

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