Nach fatalem Busunglück

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Debatte über Sicherheitslücken

Auf dem Weg zum Gardasee verunglückt ein Bus in Nordbayern. 18 Menschen sterben, 30 werden verletzt. Hätte dieses schreckliche Unglück mit moderner Fahrzeugtechnik verhindert werden können?

04.07.2017, 09:26 Uhr

Nach dem verheerenden Unfall auf der Autobahn 9 in Nordbayern gibt es eine erhitzte Diskussion über Sicherheitslücken in Reisebussen. Erst seit November 2015 müssen Busse mit einem Notbremssystem ausgestattet sein. Dieses lasse sich aber leicht abschalten, kritisierte der Kraftfahrtexperte des TÜV Rheinland, Hans-Ulrich Sander, am Montagabend im ZDF. „Die Abschaltbarkeit eines solchen Notbremssystems halte ich für verkehrt. Die sollten nicht deaktivierbar sein“, sagte er und forderte, diese Gesetzeslücke müsse schnell geschlossen werden.

Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer, sagte im ARD-Brennpunkt am Montagabend: „Das große Problem liegt in den Innenraum-Materialien der Busse: Sie sind deutlich leichter entflammbar als die, die die Deutsche Bahn verbauen muss.“

18 Menschen kamen am Montagmorgen beim Brand eines Reisebusses nahe Münchberg ums Leben. 30 weitere Reisende wurden verletzt – einige von ihnen schwer. Die Opfer waren auf dem Weg aus Sachsen in Richtung Gardasee. Der Bus war aus noch ungeklärter Ursache auf einen Lastwagen aufgefahren und in Brand geraten. Nur ein Stahlgerippe blieb übrig. In dem Fahrzeug saßen 46 Reisende sowie zwei Fahrer.

Auch Professor Hermann Winner, Experte für Autonomes Fahren an der TU Darmstadt, erklärte auf dpa-Anfrage: Damit solche Unfälle nicht mehr passieren, seien nicht abschaltbare Notbremssysteme wichtig, die auf Stau-Enden reagierten. Bis Reisebusse ganz autonom fahren, werde es noch dauern. Die heutige Technik könne viele besondere Situationen noch nicht beherrschen.

Bei Notbremsassistenten erkennen Kameras und Radarsensoren Hindernisse auf der Fahrbahn, machen mit Warnlicht und Warnton auf die Gefahr aufmerksam und bremsen automatisch, wenn der Fahrer nicht reagiert. Damit lässt sich ein Aufprall zumindest abmildern, bei den modernsten Notbremsassistenten im Idealfall auch ganz verhindern. Allerdings sparen sich manche Busunternehmen, was gesetzlich nicht zwingend vorgeschrieben ist.

Laut Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer war der Unglücksbus drei Jahre alt und zuletzt im April vom TÜV ohne Beanstandung überprüft worden. Der Fahrer, der den Reisebus zum Unfallzeitpunkt lenkte und starb, war demnach seit mehr als zehn Jahren bei seiner aktuellen Firma beschäftigt und wurde vor vier Jahren für langjähriges unfallfreies und sicheres Fahren ausgezeichnet. (dpa)

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