Chef wirft hin

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Icelandair gerät ins Trudeln

Islands nationale Fluggesellschaft schockt die Anleger: Zu niedrige Ticketpreise und Marketing-Fehler führen zu massiven Gewinneinbußen. CEO Björgólfur Jóhannsson tritt zurück.

05.09.2018, 11:32 Uhr
Trat von seinem Vorstandsvorsitz bei Icelandair zurück: CEO Björgólfur Jóhannsson.
Foto: Icelandair Group

Erst Höhenflug, nun freier Fall: Islands Luftfahrt fliegt in die Krise. Nachdem kürzlich erst Wow Air Finanzalarm schlug, hat nun Icelandair eine Gewinnwarnung ausgesprochen. Der urspünglich geplante Überschuss dürfte demnach um glatte 50 Prozent schmelzen. Folgen: Die Aktien der Airlines sackten um bis zu 24 Prozent ab, und Icelandair-Chef Björgólfur Jóhannsson nimmt mit sofortiger Wirkung seinen Hut.

Offenbar ziehen sich die beiden Wettbewerber gegenseitig runter: Der Billigflieger Wow Air nimmt Icelandair Passagiere weg, macht dabei aber selbst immer höhere Verluste. Damit stellt sich die Frage, wie wirtschaftlich sinnvoll es ist, dass eine kleine Nation wie Island (350.000 Einwohner) über zwei Fluggesellschaften verfügt.

Als Gründe für den finanziellen Absturz – insgesamt sackte die Icelandair-Aktie seit Oktober 2017 sogar um 54 Prozent ab – nennt Ex-Chef Jóhannsson die zu niedrigen Ticketpreise. Anders als geplant hätten sie wegen der Konkurrenz durch Wow Air nicht erhöht werden können, während die Kosten gestiegen seien. Tatsächlich lägen die Flugscheinerlöse sogar fünf bis acht Prozent unter denen des Vorjahres.

Zudem seien gravierende Fehler im Marketing sowie bei der Neuausrichtung des Streckennetzes gemacht worden. Das bisherige Erfolgsmodell der Airline – Flüge zwischen Europa und den USA über die geografische Mitte Island – dürfte damit ins Wanken geraten sein. Konkurrent Wow Air kopiert genau dieses Konzept.

Icelandair stand nach der Bankenkrise 2008/09 kurz vor dem Abgrund. Dank des Tourismus-Booms in Island legte die Fluggesellschaft in den Jahren danach einen nie dagewesenen Höhenflug hin: Flotte und Ziele wurden deutlich ausgebaut, und die Passagierzahl wuchs immens. Erstmals hat sie jetzt die Vier-Millionen-Marke überschritten.

Derzeit verliert Island jedoch massiv Urlauber aus Mitteleuropa, weil die Hotelpreise und Nebenkosten auf der Insel explodiert sind. Drei-Sterne-Hotels in Reykjavik verlangen bis zu 750 Euro pro Nacht. Dadurch wenden sich immer mehr Gäste von dem Land ab, das sich jüngst auf einem touristischen Höhenflug befunden hatte und seine Urlauberzahlen von 2010 bis 2017 versiebenfachen konnte.

Demgegenüber ist im Flugbereich ein Kampf um die billigsten Preise ausgebrochen, verursacht vom Preisbrecher Wow Air. Das erinnert an den Niedergang von Air Malta, nachdem auch Ryanair die Mittelmeerinsel anfliegen durfte. Inzwischen versuchen sich die Malteser wie berichtet selbst mit einer Billigstrategie und einer Vertriebskooperation mit den Iren zu retten.

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