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Brexit liegt als dunkler Schatten über der Luftfahrt-Branche

Englands EU-Austritt, weltweit ineffektive Luftraumkontrolle und nach wie vor dünne Gewinnmargen: Trotz eines sehr guten Jahres 2018 warnt die Airline-Lobby IATA vor Gefahren im Jahre 2019.

von Andreas W. Schulz, 10.01.2019, 07:45 Uhr
Ist es wirklich so schlimm? IATA-Chef de Juniac scheint ein Stoßgebet gen Himmel zu schicken.
Foto: Andreas W. Schulz

Seit September 2016 ist Alexandre de Juniac Chef der internationalen Luftfahrt-Organisation IATA. Seither hat er sich und dem Verband das Leitmotiv „Business of Freedom“ auf die Fahne geschrieben: Ein freier und uneingeschränkter Luftverkehr sei für den Welthandel und Wohlstand unerlässlich. Trage die Branche doch mit rund 1% des weltweiten Bruttosozialprodukts GDP (Global Gross Domestic Product) zum Wachstum 2019 bei. Gut 800 Mrd. Euro fließen in Flugreisen. „Ohne Luftverkehr würde es gar keine Globalisierung geben“, sagt de Juniac.

In den vergangenen Jahren hat zwar der weltweite Luftverkehr – nach vielen Jahren mit dürren Margen – substanzielle Gewinne erwirtschaftet. Trotzdem liegen bei aller gegenwärtigen Euphorie unverändert dunkle Schatten über der Branche, die sie nicht beeinflussen kann: ganz besonders der nicht durchsichtiger gewordene und nun unmittelbar bevorstehende Brexit.

IATA mahnt kurzfristigen Handlungsbedarf an

„Ehrlich, die Situation ist so unübersichtlich und fließend, dass meine heutige Präsentation zum Brexit schon zum Ende meiner Rede überholt sein kann“, stellt Rafael Schvartzman, der für Europa zuständige IATA-Vizepräsident, bei einer Pressekonferenz in Genf fast schon resignierend fest. Der offene Disput im britischen Parlament und die wie ein Damokles-Schwert noch ausstehende parlamentarische Abstimmung heizen die Unsicherheit weiter an.

Trotz der entsprechenden verhandelten Not-Szenarien und Übergangslösungen (Contingency Plans) für den Luftverkehr nach dem Brexit sieht die IATA einen immensen kurzfristigen Handlungsbedarf für die EU und Großbritannien vor Ablauf der Frist Ende März. „Endlich Klarheit und Sicherheit sind gefordert“, beschwören de Juniac und sein Europa-Chef die Verantwortlichen in London und Brüssel. Die Konsequenzen im ungeordneten No-Deal Szenario würden für den Luftverkehr und für die Reisenden chaotisch sein.

Luftraumkontrolle muss weltweit effektiver werden

Auch andere geopolitische Krisen und Handelsstreitigkeiten bleiben unverändert auf der Tagesordnung für 2019 und sind volatile Szenarien, die unkalkulierbar sind. Immer wieder warnen die IATA-Manager vor den Infrastruktur-Engpässen, die den weiter enorm wachsenden Luftverkehr gefährden.

„Ohne wachsende Flughafenkapazitäten und effiziente Luftraumkontrollsysteme kommen wir schnell in Krisensituationen. Wir prognostizieren 8,2 Milliarden Flugreisen im Jahre 2037 gegenüber 4 Milliarden heute“, sagt Michael Gill, Director Aviation Environment bei der IATA. „Entsprechende Planungen erfordern mindestens eine Dekade Vorlaufzeit, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Wir sehen aber nur bei wenigen Regierungen die entsprechende Motivation, hier etwas zu unternehmen.“

Verspätungen summierten sich 2018 auf 26 Jahre

Der chaotische Sommer 2018 in Europa habe dramatisch gezeigt, dass die Uhr schon kurz nach zwölf zeige: „Verspätungen von 14 Millionen Minuten waren bis Ende Oktober angelaufen – das entspricht 26 Jahren. Das ist ein komplett inakzeptabler Service-Rekord in einer Dienstleistung mit einer kritischen Infrastruktur“, empört sich IATA-Chef de Juniac. Diese Probleme sind aber nicht nur auf Europa begrenzt, sondern zunehmend auch in anderen Regionen, etwa wie in China zu beobachten.

„Wir sagen den Regierungen immer wieder, hier besser zu werden. Die technischen Voraussetzungen sind durchaus gegeben – nur der politische Wille fehlt, sie durchzusetzen“, sagt de Juniac. Der seit Jahrzehnten andauernde Disput in Europa um einen Single European Sky sei nur ein weiteres trauriges Beispiel der politischen Paralyse.

Fluggesellschaften rechnen mit 4% Gewinnmarge

Mehr Effizienz und Nutzung neuer digitaler Technologien sind für die IATA ein entscheidender Schlüssel, die dramatischen Herausforderungen, die der Branche noch bevorstehen, zu meistern. Dabei stammen manche Systeme noch aus den 70er Jahren.

Die Aussichten für das Jahr 2019 sind schillernd. Einerseits hat die Branche seit der ökonomischen Krise ab 2010 Gewinne erwirtschaftet und ab 2015 sogar „Überschüsse gegenüber den Kapitalkosten“ erzielt, so de Juniac. Aber auch er hat keine Kristallkugel, wie es weiter geht. Etwas vorsichtiger optimistisch sieht es IATA Chief Economist Brian Pierce, der die Zahlen zurecht rückt: „Mit vier Prozent Netto-Marge bewegen wir uns 2019 ungefähr wie im vorigen Jahr. Trotz der gedämpften allgemeinen Wirtschaftaussichten mag das für viele überraschend sein. Aber die Nachfrage ist in der Branche stark und wir haben den Rückgang der Ölpreise gesehen.“

Steigender Ölpreis kann Gewinnaussichten zerstören

Gleichzeitig mahnt der Chefökonom aber die Branche weiter an, ihre Kosten unter Kontrolle zu halten: „Die Zone zwischen Gewinn und Verlust ist dünn. Steuern, Abgaben oder ein erneuter Anstieg des Ölpreises kann die 7,75 US-Dollar Gewinn pro Passagier schnell schmelzen lassen. Wir sind weit von der „Liga Apple“ entfernt, wo man mit 400 Dollar pro verkauftem iPhone XS Gewinn macht.“

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