Nach Chef-Rücktritt

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Air France-KLM setzt Interimsspitze ein

Ein Tarifkonflikt hat Air France in schwere Turbulenzen gebracht. Die Fluggesellschaft steht nun vor der schwierigen Suche nach einem Nachfolger für Konzernchef Janaillac, der den Konflikt mit den französischen Gewerkschaften lösen kann.

16.05.2018, 12:46 Uhr
Air France ist durch die seit Monaten andauernde Auseinandersetzung in eine Krise geschlittert, der Aktienkurs fiel seit Jahresanfang um mehr als 45 Prozent.
Foto: Airfrance

Nach dem Rücktritt des Konzernchefs von Air France-KLMführt übergangsweise ein Drei-Mann-Komitee die Geschäfte der Fluggesellschaft. Finanzchef Frédéric Gagey übernimmt dabei die Rolle des Generaldirektors, wie das französisch-niederländische Unternehmen am Dienstag mitteilte. Unterstützt wird er von den Chefs der beiden Konzernsparten Air France und KLM, Franck Terner und Pieter Elbers.

Die ehemalige französische Ministerin Anne-Marie Couderc tritt als nicht-geschäftsführende Präsidentin an die Spitze des Verwaltungsrats. Bis ein Nachfolger für Konzernchef Jean-Marc Janaillac gefunden ist, werden dessen Aufgaben damit auf mehrere Schultern verteilt. Janaillac hatte nach einer schweren Schlappe in einem Tarifkonflikt in Frankreich seinen Rücktritt eingereicht.

Die Zeit bis zur Ernennung eines neuen Konzernchefs solle so kurz wie möglich sein, teilte der Konzern mit. Die Entscheidung liegt beim Verwaltungsrat. Dessen Interimschefin Couderc erklärte, sie wolle in dieser Periode besonders darauf achten, den Zusammenhalt des Konzerns zu stärken. Couderc war bereits Mitglied des Gremiums und leitete früher den Medienverlag Hachette Filipacchi. Von 1995 bis 1997 saß sie als beigeordnete Ministerin für Beschäftigung in der Regierung des konservativen Premierministers Alain Juppé.

Janaillac hatte seinen Rücktritt angekündigt, nachdem eine Mitarbeiterabstimmung bei der französischen Sparte Air France den jüngsten Gehalts-Vorschlag des Managements abgelehnt hatte. Mit der Befragung wollte er eigentlich Druck auf die Gewerkschaften ausüben.

Diese sehen sich nun gestärkt und fordern bereits neue Verhandlungen - der Verwaltungsrat hat aber erstmal kein Mandat für Entscheidungen erteilt, die die bisherige Wachstumsstrategie infrage stellen würden. Damit ist es wahrscheinlich, dass der Konflikt weiterschwelt und zur Bewährungsprobe für den künftigen Konzernchef wird. Die Gewerkschaften wollen eine sofortige Gehaltserhöhung um 5,1 Prozent bei Air France. Das Unternehmen hatte 2 Prozent geboten, plus weitere 5 Prozent über die kommenden drei Jahre.

Analysten sehen wegen der Entwicklung den Sanierungskurs der französischen Sparte Air France gefährdet. Janaillac sagte am Dienstag bei der Hauptversammlung des Konzerns, das Ergebnis sei der Ausdruck von Sorgen und Frust. Er hob hervor, dass Air France deutlich weniger rentabel ist als die Konzernschwester KLM und Konkurrenten wie die Lufthansa. Dies liege aber auch an hohen Steuern und Abgaben in Frankreich, kritisierte er.

Seit Ende Februar hatten Beschäftigte an 15 Tagen gestreikt, dies dürfte den operativen Gewinn des Konzerns nach eigenen Angaben mit mindestens 300 Millionen Euro belasten. (dpa)

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