Rostock, München und Köln raus

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VLM streicht die meisten Strecken

Als Grund gibt die flämische Fluggesellschaft die Ausflottung ihrer Fokker-50 an. Zu vermuten ist allerdings, dass es auf den deutschen Strecken auch Auslastungsprobleme gab.

08.08.2018, 18:43 Uhr
VLM will sich von den Fokker-50-Maschinen trennen.
Foto: VLM

Es hatte der ganz große Aufschlag sein sollen: Mit zahlreichen neuen Regionalstrecken wagte die flämische VLM vor wenigen Monaten den Neustart. Innereuropäisch sollte ein gutes Streckennetz entstehen, das Touristen aus China Anschlussflüge garantiert, wenn sie mit größeren Maschinen aus dem Reich der Mitte in Europa landen. Ob aus diesen ambitionierten Plänen kurzfristig etwas wird, steht nun zumindest in Frage. Denn bis auf die Verbindung zwischen Antwerpen einerseits und Zürich und London andererseits will VLM in den nächsten Wochen sämtliche Routen schon wieder einstellen. Das sagte Airline-Chef Johan Maertens.

Gestrichen werden demnach auch die Strecken Marburg (Maribor)–München–Antwerpen sowie Rostock–Köln–Antwerpen. Die Ziele Aberdeen und Birmingham sollen ebenfalls ganz entfallen. Maertens spricht zwar von einer „vorübergehenden“ Maßnahme. Normalerweise treffen Fluggesellschaften solch abrupte Entscheidungen aber nur, wenn es mit Umsatz und Gewinn überhaupt nicht passt und keine Besserung abzusehen ist. Der Flughafen Rostock zeigte sich überrascht. „Die Kurzfristigkeit der Entscheidung enttäuscht uns“, sagte Airport-Chefin Dörthe Hausmann. „Wir als Flughafen waren nicht in den Entscheidungsprozess eingebunden und haben erst gestern Abend davon erfahren.“ Seit heute Morgen versuche man nun, neue Anbieter für die Strecke zu gewinnen.

VLM nannte als Grund für die Streichungen auch, dass man sich von den Fokker-50-Maschinen trennen wolle. Dieser Zeitpunkt sei nun gekommen, so Maertens. Damit fehle jedoch das Fluggerät für die Strecken. Insgesamt handelt es sich bei sechs der acht VLM-Flieger um Fokker-50. Mit einem A-320 fliegen die Flamen derzeit ab Hannover für Condor.

Für das zweite Halbjahr 2019 sei die Inbetriebnahme eines neuen Flugzeugtyps geplant. Im Gespräch sind ATR, Dash und Embraer. Die Verbindungen werden zum 15./16. September 2018 eingestellt. Wer bereits für die Zeit danach gebucht habe, erhalte sein Geld zurück.

Die Ereignisse zeigen, dass trotz der enorm gestiegenen Nachfrage nach Flügen ab Deutschland und innerdeutschen Verkehren nur bestimmte Verbindungen ein Publikum finden. Zudem legen die Passagiere wert auf sehr niedrige Ticketpreise, welche die Billigflieger diktieren – ansonsten wird nicht selten auf den Flug verzichtet.

VLM hatte Mitte 2016 Insolvenz angemeldet. Unter anderem flog sie damals von Friedrichshafen. Übernommen wurde die Insolvenzmasse von einer chinesisch-holländischen Gesellschaft, die vor wenigen Monaten einen Neustart wagte. Die Rostock-Strecke war im Juni 2018 aufgenommen worden, München wird seit Dezember 2017 bedient. Der neue Investor will Touristen aus chinesischen Städten der zweiten Reihe nach Europa fliegen. (OG)

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