Rechtskolumne

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Kollektiv krank

Was können Arbeitgeber tun, wenn sich ihre Beschäftigten massenhaft krank melden – aus Protest?

25.10.2017, 16:04 Uhr

Prof. Dr. Hans-Josef Vogel

Was tun, wenn sich Mitarbeiter kollektiv krankmelden?
Foto: Getty Images

Piloten und Crews haben zweifellos einen höchst verantwortungsvollen Job – sie sollten daher unbedingt gesund sein. Werden sie krank, trifft es mitunter sehr viele von ihnen. Zumindest erlebte Air Berlin jüngst derart kollektive Krankmeldungen, wenn auch nur für ein, zwei Tage. TUIfly allerdings hatte zuvor über einen längeren Zeitraum damit zu tun. Kann der Arbeitgeber dagegen etwas machen?

Die Überlegung, dass der Arbeitnehmer auch im Krankheitsfall seine Vergütung erhält, ist eine Durchbrechung des Grundsatzes: „Ohne Arbeit kein Lohn.“ Sie ist schon lange Gesetz, nämlich seit Inkraftreten des Bürgerlichen Gesetzbuches im Jahre 1900.

Ohne Beweise geht nichts

Die Krankmeldung erfordert – abhängig von den Regeln im Arbeitsvertrag – eine ärztliche Bescheinigung, manchmal schon ab dem ersten Tag, in der Regel aber erst ab dem dritten Tag. Denn immerhin bekommt der Arbeitnehmer ja Geld, ohne zu arbeiten. Der Arbeitgeber will schon deshalb sichergehen, dass tatsächlich eine Erkrankung vorliegt.

Das Attest eines Arztes („gelber Schein“) hat eine hohe Beweiskraft. Der Arbeitgeber kann zwar Zweifel an einem Attest äußern, und er kann sogar eine weitere Untersuchung durch Ärzte des Arbeitsmedizinischen Dienstes verlangen. Bevor es allerdings zu einer solchen Nachuntersuchung kommt, vergehen oft viele Wochen. Dann noch festzustellen, dass eine alte Krankmeldung nicht den Tatsachen entsprach, ist fast immer unmöglich.

Und wie sieht es bei Massenerkrankungen aus? Hier gilt Gleiches: Der Arbeitgeber muss beweisen, dass eine Krankmeldung missbräuchlich war. Er ist also verpflichtet, den Nachweis zu erbringen, dass es keine Erkrankung gab oder dass eine Krankmeldung gezielt organisiert wurde, um Druck auf den Arbeitgeber auszuüben. Solange er dies nicht beweisen kann, etwa weil die Kommunikation zwischen den Arbeitnehmern in geschützten Bereichen geschieht (zum Beispiel über den Facebook Messenger oder WhatsApp), solange sind ihm alle Mittel genommen. Gerade daher sind derartige Ereignisse überaus wirkungsvoll: Der Arbeitnehmer ist faktisch machtlos. Das gilt auch für eine plötzliche massenhafte Erkrankung in Zeiten geplanter Umstrukturierungen oder Entlassungen. Denn rein rechtlich gibt es keine Vermutung der Unredlichkeit bei vielfachen Erkrankungen mehrerer Angehöriger einer Berufsgruppe. Und selbst wenn der Arbeitgeber ein abgestimmtes, rechtswidriges Verhalten belegen könnte, müsste der dennoch in jedem einzelnen Fall beweisen, dass genau dieser Arbeitnehmer nicht wirklich erkrankt war, sondern wild streikte.

Nachweis quasi unmöglich

Autor Prof. Dr. Hans-Josef Vogel
Foto: Privat

Erfolgreich Kündigungen auszusprechen, ist daher so gut wie ausgeschlossen. Gleiches gilt im Übrigen für Schadensersatzansprüche. Denn selbst wenn sich im Einzelfall eine vorgetäuschte Erkrankung beweisen lässt, müsste gezeigt werden, dass der eingetretene Schaden allein darin begründet ist. Der Schaden einer Airline bei massenhaften Flugausfällen lässt sich aber nicht bei einem Arbeitnehmer festmachen; denn es gibt ja eine Ersatzplanung durch andere Crews. Deren Erkrankung ist aber nicht mehr durch den Einzelnen verursacht.

Bleibt die Frage, warum es früher solche Vorfälle eher selten gab. Grund dürfte der technische Fortschritt sein: Wären früher umständliche Telefonketten nötig gewesen, um solches zu organisieren (wobei dies nicht die Vermutung sein soll, es habe je solche Absprachen gegeben), können heutzutage Aufrufe durch Facebook, Chats oder WhatsApp in wenigen Sekunden verbreitet werden.

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