Einreise-Regeln

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Die ewige Krux mit dem Visum

Etliche Länder verlangen von Geschäftsreisenden ein Visum. Bei einem entsprechenden Antrag ist äußerste Sorgfalt gefragt. Zumal sich die Regeln ständig ändern.

von Martin Jürs, 07.02.2018, 07:46 Uhr
Reisen ist einfach geworden? Allein für die USA gibt es inzwischen 30 Visumkategorien.
Foto: Getty Images/iStockphoto

Fußball-Fans, die in diesem Jahr von Deutschland nach Russland zur Weltmeisterschaft reisen wollen, haben es gut. Neben einem gültigem Reisepass müssen sie bei der Einreise lediglich ein WM-Ticket vorweisen. Ein Einreisevisum ist in diesem Fall nicht erforderlich.

Damit unterscheiden sich die Anhänger der deutschen Fußball-Nationalmannschaft deutlich von anderen Reisenden. Denn egal, ob Tourist oder Geschäftsmann, wer sonst ins Reich Wladimir Putins will, benötigt zwingend ein Visum. Um das zu erhalten, reicht es für Business Traveller nicht, einen entsprechenden Antrag samt Reisepass und Passbild im Format 3,5 mal 4,5 Zentimeter einzureichen. Von ihnen werden auch noch ein Krankenversicherungsnachweis, ein Einladungsschreiben des russischen Geschäftspartners und ein Verdienstnachweis verlangt. Der soll die „Gewähr auf Rückkehrwilligkeit“ belegen, wie Alexander Langhans, Geschäftsführer vom Dienstleister Visumpoint, erläutert.

Wer hier Schikane vermutet, muss nicht falsch liegen. Allerdings hat die Bundesrepublik die Vorlage eines Einkommensnachweises bei der Visumbeantragung zuerst eingeführt.

Immer mehr Visumkategorien

Die Visumregularien zwischen Deutschland und Russland zeigen exemplarisch, dass die Reisen von einem Land zum anderen immer noch auf hohe Hürden treffen – obwohl die Welt, was Warenströme und Handelsbeziehungen anbelangt, stetig zusammenrückt.

Eine Region wie der sogenannte Schengen-Raum innerhalb der EU mit ihren weitgehend offenen Grenzen bildet nach wie vor nicht die Regel, sondern die Ausnahme. Und selbst hier gibt es unter dem Eindruck der Flüchtlingskrise vor gut zwei Jahren mittlerweile wieder Einschränkungen.

Langhans macht denn auch weltweit eher einen Trend hin zu mehr als zu weniger Visumregularien aus. „Allein in den USA gibt es mittlerweile mehr als 30 Kategorien“, so der Visumexperte. Hier den Durchblick zu behalten ist nicht einfach.

Zumal der Antragteufel mitunter im Detail steckt: So benötigen Monteure in Indien aktuell zum Beispiel ein Arbeitsvisum. Für Arbeiten in China dagegen muss dieselbe Person ein Geschäftsvisum beantragen. Solche Feinheiten müssen Unternehmen kennen, wollen sie nicht riskieren, dass ihre Mitarbeiter an der jeweiligen Grenze wegen eines falschen Visums abgewiesen werden.

Strafen bei falschen Angaben

Langhans rät Unternehmen und Reisenden bei der Visumbeantragung außerdem unbedingt zur Ehrlichkeit: „Reisen sie nicht mit einem Touristenvisum ein, wenn sie eigentlich ein Arbeitsvisum benötigen.“ Fliegt der Schwindel auf, kann es teuer werden. Es droht nicht nur die vorzeitige Rückreise, sondern eventuell drohen sogar Strafzahlungen und Einreiseverbote. Mitunter können Firmen in dem jeweiligen Land auch von öffentlichen Ausschreibungen ausgeschlossen werden.

Dabei können die Grenze zwischen Touristen- und Arbeitsvisa fließend sein. So ist das online auszufüllende ESTA-Formular bei USA-Reisen nicht nur für Urlauber gedacht. Geschäftsreisende können es nutzen, wenn sie zum Beispiel Kunden oder Messen besuchen wollen. Für Vertragsverhandlungen ist jedoch ein sogenanntes B1- oder B2-Visum notwendig. USA-Besucher, die in den vergangenen sechs Jahren im Iran, im Irak, in Jemen, Libyen, Nordkorea, Somalia, im Sudan, im Tschad oder in Venezuela waren, sollten hingegen besser einen Visumantrag ausfüllen. Das ESTA-Formular hilft hier nicht weiter – weder Touristen noch Geschäftsreisenden.

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