Verbot der Kreditkartengebühren

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Die große Verwirrung

Für manche Karten gilt nun ein Gebührenverbot, für andere nicht. Doch vieles bleibt unklar.

von Oliver Graue, 28.02.2018, 18:30 Uhr
Fallen Gebühren an oder nicht? Die Frage ist nicht so einfach zu beantworten.
Foto: Gettyimages

Das Bezahlen mit Kreditkarte soll einfacher und günstiger werden – nach dem Willen der Europäischen Union (EU). Und theoretisch klingt die Sache ganz simpel. So hatten die EU-Politiker vor einigen Jahren dafür gesorgt, dass Händler, die Kreditkarten akzeptieren, dafür keine hohen Gebühren mehr abführen müssen: Das Interbankenentgelt wurde gesetzlich auf 0,3 Prozent des getätigten Umsatzes reduziert. Zuvor hatte es bis zu 1,5 Prozent betragen.

Nun folgte der nächste und auch logische Schritt: Weil die Händler kaum noch Kartengebühren entrichten müssen, dürfen sie auch von ihren Kunden, die das Plastikgeld nutzen, nichts mehr nehmen. Seit dem 13. Januar 2018 gilt die Zahlungsdienstrichtlinie 2, die Gebühren für das Bezahlen mit Lastschrift, Überweisung sowie mit vielen Kreditkarten verbietet.

In der Theorie klingt das gut – die Umsetzung aber ist komplex. Denn der Teufel steckt im Detail. Hauptproblem: Sowohl das reduzierte Interbankenentgelt für die Händler als auch das Gebührenverbot für die Kunden gilt ausschließlich für sogenannte regulierte Karten. Dabei handelt es sich um die Privatkarten von Mastercard, Visa und Diners. Letzterer arbeitet zwar auf Drei-Parteien-Basis, wurde von der EU jedoch den Vier-Parteien-Systemen Master und Visa gleichgestellt. Zudem gehört die Airplus Travel Expense Card dazu.

Karte ist nicht gleich Karte

Nicht betroffen jedoch sind klassische Firmenkreditkarten (Corporate Cards), Reisestellenkarten sowie das von American Express herausgegebene Plastikgeld. Denn für diese Karten zahlen die Händler nach wie vor höhere Interbankenentgelte, die sie sich vom Kunden zurückholen dürfen.

Die großen Fluggesellschaften haben angekündigt, genau diese Differenzierung mitmachen zu wollen. Geld spart künftig, wer seine Flüge mit der privaten Karte bezahlt. Im Travel Management ist dies aber selten: Hier wird in aller Regel über die Reisestellenkarte abgerechnet, also nicht-reguliertes Plastik. Dafür behalten Bahn und Airlines die Entgelte nicht nur bei – manche verteuern sie sogar. So nehmen zum Beispiel Air France und KLM inzwischen 1,9 Prozent Gebühren, maximal 25 Euro. Zuvor lag dieser Betrag noch bei 15 Euro.

Allerdings: Es gibt Probleme. Zumindest bei einigen Airlines wird derzeit noch jede Kreditkarte mit „0 Euro“ ausgewiesen. Lufthansa räumt die Schwierigkeit ein: Das Entgelt von 1,65%, maximal 25 Euro, werde momentan für kein Zahlungsmittel berechnet, da die EU die Fluggesellschaft mit „technischen Herausforderungen konfrontiert“. Betroffen sind die eigenen Vertriebskanäle wie Lufthansa.com.

Derzeit keine Gebühren

Die Probleme sind so schwerwiegend, dass sie trotz monatelanger Vorbereitung auf die neue Richtlinie nicht gelöst werden konnten. Auch rechnet Lufthansa damit, dass diese Situation noch bis „voraussichtlich Mitte März 2018“ andauern wird. Manch ein Wettbewerber gibt sich sogar gänzlich bedeckt und will – wie British Airways – zur eigenen Kreditkartenpolitik nichts Konkretes sagen. Gut für die Kunden: Sie können zumindest noch einige Wochen jede Karte kostenfrei einsetzen.

Experten sehen die Schwierigkeit darin, in den technischen Systemen zuverlässig zwischen regulierten und nicht-regulierten Karten zu unterscheiden. Was im Reisebüro problemlos möglich ist – der Expedient sieht die Karte ja selbst –, wird online oder im Call Center zum Problem. Denn bevor das Bezahlen beginnen kann, muss das System die Kartennummer korrekt interpretieren. Ein solcher technischer Prozess ist zwar möglich, muss unter Umständen aber mit hohem Aufwand umgesetzt werden.

Doch nicht allein die Technik ist nicht immer auf der Höhe der EU-Politik: Ein weiteres Ärgernis ist die Tatsache, dass EU-Richtlinien zwar in jedem Mitgliedsstaat der Union umgesetzt werden müssen, dass sie von den einzelnen Ländern aber höchst unterschiedlich gedeutet werden. Und obwohl die Richtlinie eigentlich seit dem 13. Januar gilt, überlegen nach wie vor einige Regierungen, ob und wie bei nicht regulierten Karten Entgelte erhoben werden dürfen.

Mangelnde Einheitlichkeit in der EU

Fällt das Ergebnis zum Beispiel in Österreich anders aus als in Deutschland, könnte dies noch so mancher Airline Kopfschmerzen bei der technischen Umsetzung bereiten. Und für die Schweiz als Nicht-EU-Mitglied gilt sowieso wieder etwas anderes.

Einige Fluggesellschaften wie Easyjet haben kurzerhand sämtliche Kartengebühren gestrichen – das dürften jene als unfair empfinden, die für ihre regulierte Karte der Bank oder dem Herausgeber ein Entgelt zahlen. Auch die großen Reiseanbieter TUI und Thomas Cook nehmen keinerlei Entgelte mehr. Was in diesem Fall allerdings ziemlich unkritisch ist, denn diese haben kaum mit nicht reguliertem Plastik zu tun. Noch einen anderen Weg wählt die Deutsche Bahn: Sie stellt zwar auch die Inhaber nicht regulierter Karten frei, nicht jedoch Firmen, die ihre Reisestellenkarte innerhalb von Bahn Corporate einsetzen.

Und was manche vergessen: Die Zahlungsdienstrichtlinie 2 bezieht sich keineswegs nur auf Kreditkarten, sondern umfasst alle Zahlmethoden. Ungemütlich – sprich teuer – könnte es in Zukunft für alle werden, die das umstrittene Bezahlsystem Paypal (oder ähnliches wie Amazon Pay) nutzen.

Rauer Wind für Paypal & Co

Dies dürfte zwar kaum Firmenkunden betreffen, aber möglicherweise manchen Selbstständigen, der seine Business Trips in völlig eigener Regie bucht. Denn für Paypal & Co gilt das Gebührenverbot der Europäischen Union nicht. Zwar berechneten die meisten Händler bislang keine Zusatzentgelte für diese Zahlmittel, doch das wird sich ändern: Die Deutsche Bahn nimmt seit Neuestem eine Gebühr, Lufthansa wird Mitte März 2018 folgen.

Zumindest für Privatpersonen dürfte sich damit die Zahlung per Kreditkarte oder durch bewährte Methoden wie Überweisung und Lastschrift künftig als die bessere, weil kostengünstigere Wahl erweisen.

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