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Guthaben statt Firmenwagen

Zu den Pionieren, was übergreifende Lösungen angeht, gehört der japanische Herzmittelspezialist Daiichi Sankyo Europe. Bereits vor gut zwei Jahren analysierte er sein bis dato übliches Firmenwagen- und ÖPNV-JobTicket-Modell gründlich auf Effektivität – und wandelte es schließlich in ein umfassendes Mobilitätskonzept um. Das Besondere: Dieses gilt nicht nur für fast alle Arten der erdgebundenen Fortbewegung, sondern unterscheidet auch nicht mehr zwischen Pendlern und Geschäftsreisenden.

Das Zauberwort bei Daiichi Sankyo lautet: Mobilitätsbudget. Jeder Mitarbeiter erhält einen finanziellen Etat, über den er frei verfügen kann. Bemisst sich dieser bei den Dienstwagennutzern nach den bisherigen Vollkosten des Autos plus individuellem Kilometerkontingent, bekommen alle anderen Mit- arbeiter ein Mobilitätsbudget in Abhängigkeit der Verkehrsmittel, die sie als Pendler wählen. Besonders gefördert werden bei Daiichi die Öffis, das Fahrrad und Fahrgemeinschaften. Das Auto soll nur noch genutzt werden, wenn unbedingt nötig.

Jeder entscheidet selbst

„Wir möchten unseren Mitarbeitern Zugang zu allen Mobilitätsformen geben, vom Car-sharing über ÖPNV, Fernbus, Bahn, Fahrrad, Taxi, Webkonferenz und Fuhrpark bis zum Corporate Carsharing“, sagt Travel Manager Michael Müller. „Jeder entscheidet selbst, für welche Verkehrsmittel er sein Budget einsetzt. Natürlich sind dabei auch Kombinationen aller Art möglich.“

Für Müller ist es enorm wichtig, dass sich das Konzept zunächst um das tägliche Pendeln ins Büro dreht. Er erhofft sich einen positiven Einfluss auf das Travel Management: „Die tägliche Mobilität der Mitarbeiter auf dem Weg zwischen Wohnung und Arbeitsstätte ist verhaltensprägend“, sagt er.

Gelinge es, beim Pendeln Gewohnheiten zu verändern, werden sich diese auf die sonstige private und geschäftliche Mobilität positiv auswirken. Daiichi Sankyo will mit diesem Modell zudem seine Attraktivität als Arbeitgeber steigern: Flexibilität komme bei Bewerbern immer gut an. Und schließlich beeinflusst all dies auch die Mobilitätskosten im Unternehmen äußerst positiv: Weniger Dienstwagen, mehr Pool-Autos, Bahn- und ÖPNV-Nutzung haben den Etat um 25% abschmelzen lassen.

Anbieter entdecken Mobilitätsbudget

Auch kommerzielle Anbieter machen sich die Idee des Mobilitätsbudgets zu eigen. „Firmen können ihren Mitarbeitern ein Konto für beispielsweise 800 Euro einrichten, das diese beliebig für Verkehrsmittel einsetzen kann“, umschreibt Philip Kneissler, Chef der Leasingfirma Belmoto, sein Geschäftsmodell. Die Mobilitätskarte, die Belmoto vertreibt, ähnelt einer klassischen Prepaid-Kreditkarte: Die Firma lädt sie mit einem bestimmten Geldbetrag auf, und dieser wird dann per Rechnungssplitting wieder abgebucht. „Wer auf den Dienstwagen verzichtet, schont sein Guthaben“, sagt Kneissler. Bleibt am Ende des Jahres Budget übrig, darf es der Mitarbeiter sogar für seinen eigenen Urlaub einsetzen – als Incentive. Gesteuert wird das Ganze über eine simple App.

Das Mobilitätsbudget hat sich auch Europcar-Tochter Ubeeqo auf die Fahnen geschrieben. Der Anbieter verspricht, auf diese Weise die Flottengröße zu optimieren, die Mobilitätskosten durch effizientere Nutzung zu senken und die Kundenzufriedenheit zu steigern. Über eine Buchungsplattform, auch als App darstellbar, lassen sich Dienstwagen, Mietwagen, Car2go und Fahrdienste buchen. Zum Monatsende gibt es eine zentrale Sammelabrechnung (siehe Interview).

Nachfrage noch eher gering

So positiv wie die neuen Modelle auch klingen mögen: Noch ist eine Menge zu tun, um ihre Popularität zu steigern. Bei Daiichi nutzen derzeit nur gut 10% der Mitarbeiter das Konzept, und bei der Bahn, die ihren etwa 3000 Führungskräften ebenfalls ein Mobilitätsbudget als Alternative zum Firmenwagen anbietet, liegt die Nachfrage nur im einstelligen Prozentbereich.

Der Staatskonzern offeriert seinen Top-Managern die Bahncard 100 für sich und den Partner, den Carsharing-Dienst Flinkster und Call a Bike. Doch gegen den eigenen Firmenwagen hat all dies keine Chance – selbst bei jungen Leuten nicht. Während das Mobilitätsbudget bei Personalleitern oft auf offene Ohren stößt, lehnen es auch viele Fuhrparkverwalter ab: Zum einen passt es nicht in etablierte Prozesse, zum anderen sind steuerrechtliche Fragen etwa im Hinblick auf den geldwerten Vorteil ungeklärt. Befürworter müssen also dicke Bretter bohren.

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