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Interview mit Marcus Scholz (Europcar)

Wie haben sich die Ansprüche der Firmenkunden in Sachen Mobilität geändert?

Marcus Scholz, Director Business Unit Corporate & Mobility Solutions bei Europcar.
Foto: Christian Wyrwa

Als ich vor gut zehn Jahren selbst im Travel Management angefangen hatte, herrschte noch überall die Papierform vor, und Mietautos wurden per Fax bestellt. Dienstwagen wiederum waren ein wichtiger Faktor für die Motivation der Mitarbeiter. Heute ist dieses Prestigedenken aufgebrochen, und die Prozesse bei der Mietwagenbuchung sind digitaler. Es muss schneller, einfacher und flexibler gehen.

Wie kommen Sie diesen Forderungen nach?

Durch verschiedenste neue Produkte wie etwa den digitalen Key Locker am Flughafen: Niemand muss mehr am Schalter warten, sondern kann den Autoschlüssel auch per PIN-Code erhalten. Zudem beobachtet Europcar die Entwicklungen rund ums Thema Connectivity und prüft, welche Funktionen für Mietwagen relevant sind. Außerdem arbeiten wir derzeit an Schnittstellen zu allen wichtigen Online-Buchungsmaschinen, so dass Buchung und Abrechnung ähnlich leicht sind wie etwa über die Bahn-Bibe-Schnittstelle.

Wenig hat man zuletzt vom Corporate Carsharing gehört.

Es nimmt derzeit deutlich Fahrt auf. Immer mehr Firmen erkennen, dass sie mit Corporate Carsharing ihre Flottengrößen optimieren und die Standzeiten der Fahrzeuge deutlich verringern. Flottenwagen können etwa am Wochenende privat genutzt werden. Steuerrechtlich – Stichwort geldwerter Vorteil – ist das inzwischen kein Problem mehr.

Einen neuen Weg geht Europcar mit der App Ubeeqo. Eignet die sich auch für Firmen?

Ubeeqo wird bereits von etlichen Unternehmen genutzt. Über einen einzigen Zugang lassen sich Mietwagen, Carsharing und Chauffeurservices buchen, und am Ende gibt es für alles eine zentrale Abrechnung. Darüber können Firmen ihren Mitarbeitern etwa ein festes Mobilitätsbudget zur Verfügung stellen, das diese dann via Ubeeqo flexibel für verschiedene Verkehrsmittel einsetzen.

Heißt aber derzeit nur Mietwagen, Carsharing, Limoservice – nicht Taxi, nicht Bahn ...

Ideal wären multimodale Portale, an die sich verschiedenste Anbieter anschließen lassen. Noch sind wir wie alle anderen auch in der Entwicklungsphase, da es ein neues Geschäftsmodell wäre. Ich bin aber überzeugt, dass es solche übergreifenden Plattformen bald geben wird, schon deshalb, weil sie für die Idee des Mobilitätsbudgets unentbehrlich sind. In Italien hat Europcar mit Wanderio übrigens bereits ein solches Projek gestartet: Taxi und ÖPNV lassen sich hier ebenfalls mitbuchen.

Wären solche Mobilitätslösungen nicht das Ende für klassische Dienst- und Mietwagen?

Absolut nicht. Carsharing etwa ist eine Großstadtlösung – aber nicht für ländliche Bereiche. Mietwagen haben immer noch eine hohe Relevanz als Anschlussmobilität und für mittlere Distanzen. Und auch das Dienstauto wird bleiben, einfach weil es für viele Menschen und Situationen die beste Option bleibt. Aber es wird flexibler: Auch, wer ein Firmenauto hat, wird in Ballungszentren verstärkt Carsharing oder ÖPNV nutzen – weil es sich heute digital leicht buchen lässt.

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