Schwäbisch schwätza

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A bissle arg

Erinnern Sie sich? Kürzlich legte sich Bundestagspräsident Wolfgang Thierse mit den Schwaben an – weil sie Berlin ihren Stempel aufdrücken.

von Oliver Graue, 08.02.2013, 11:52 Uhr

Vermutlich gibt es Regionen in Deutschland, in denen Wolfgang Thierse sowieso eher wenige Anhänger hat. Doch darüber wollen wir an dieser Stelle nicht mutmaßen. Fest steht nur, dass es jetzt eine Region gibt, in der er wahrscheinlich gar keine Anhänger mehr hat – wir sprechen von Schwaben. Thierse hatte den Südwestdeutschen kürzlich Humorlosigkeit und Arroganz bescheinigt. So verlangten sie in den Bäckereien der Hauptstadt nach "Wecken" – obwohl diese in Berlin doch "Schrippen" hießen.

Nachdem nun alle Krisen gelöst, Kriege beendet, die Armut abgeschafft und die Reisekostenreform verabschiedet wurde, ist die Politik also endlich zu den wirklichen Problemen dieses Landes vorgestoßen: den Schrippen, die als Wecken verkauft werden. Erste Ausschüsse und Arbeitskreise wurden gebildet, die sich intensiv mit diesem Thema beschäftigen sollen. Wir Hamburger stehen da übrigens noch vergleichsweise gut da: Bislang habe ich noch keine "Wecken" in den Auslagen der Bäckereien entdecken können, leider jedoch fast ausnahmslos "Brötchen". Obwohl diese in Hamburg doch eigentlich "Rundstück" heißen!

Vermutlich aber ist das "Brötchen" nur der erste Schritt zur "Wecke". Mit einer geradezu perfiden Strategie könnten die Schwaben versuchen, die gesamte Macht in der – naja, sagen wir – "Semmel-Welt" an sich zu reißen. Und darüber hinaus! Hinter vorgehaltener Hand soll Thierse kritisiert haben, dass sich der Bundestag in den vergangenen Tagen auffallend sauber und ordentlich gezeigt habe. Und das, obwohl er doch mitten in Berlin liegt und normalerweise mindestens fünf Hundehäufchen bereits am Haupteingang aufweist (die Abgeordneten selbst benutzen überwiegend das Klo).

Die "organisierte Schwabenschaft", so ist sich Thierse sicher, bereitet eine großangelegte Verschwörung vor: In mehreren Berliner Mietshäusern seien Flugblätter aufgetaucht, die zur "Kehrwoche" aufriefen. Darin hieße es ketzerisch, Hausbewohner müssten für die Sauberkeit ihres Hauses sorgen. Wortwörtlich stehe dort: Sia hend doch sicher au Kuddrschaufl, Kehrwisch ond Schrubbr zom d' Schdaffla saubr kehra?

Zudem böten erste Restaurants Flädlesuppe und Maultaschen an. Erregt über den schwäbischen Vormarsch zeigt man sich inzwischen aber auch in Sachsen und in der Kölner Region: Dort befürchtet man vor allem negative Folgen für die Reinheit der deutschen Sprache. Schwäbische Politiker indes lassen sich noch Zeit mit ersten Reaktionen – was nicht wundert, da in Stuttgart gerade Veschpr, pardon: Mittagspause ist. Nur ein einziger soll Thierse zugerufen haben: Dei Rumgegosche macht me kreuznarret! Zum Glück hat das aber in Berlin niemand verstanden.

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