Weißrusslands Hauptstadt Minsk

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Stadt im Stil der Zuckerbäcker

Die neue Visumfreiheit macht Reisen in Weißrusslands Hauptstadt einfacher. Breite Prachtstraßen und Stalins Monumental-Architektur prägen das Bild.

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23.10.2017, 15:54 Uhr

Text und Fotos: Klaus-Peter Kaschke

Paradestücke: Diese Wohnhäuser sind Stalin-Stil pur.
Foto: Klaus-Peter Kaschke

Eine klassische Schönheit ist sie nicht – auch bedingt durch ihre wechselvolle Historie. Dennoch bietet Minsk, einst sozialistische Musterstadt, eine ganze Reihe an Sehenswürdigkeiten aus der jüngeren Geschichte. Was Weißrusslands Hauptstadt unverwechselbar macht, sind vor allem ihre breiten Prachtstraßen, die die Metropole schachbrettartig durchziehen.

Gesäumt werden sie von wahrhaft atemberaubenden Exempeln der sogenannten Zuckerbäcker-Architektur aus Stalin-Zeiten. Während in anderen früheren Sowjetmetropolen oder in den Hauptstädten der einstigen Ostblockstaaten nur einzelne Repräsentationsbauten oder maximal einige Straßenzüge im Stalin-Empire gestaltet wurden, wird Minsk bis in die Außenbezirke vom „Sozialistischen Klassizismus“ geprägt. Und dies in einem Ausmaß, dass eine Aufnahme in die Weltkulturerbe-Liste der UNESCO beantragt wurde. Sie dürfte – nach dem letztem Stand der Dinge – wohl auch bewilligt werden.

Fünf Tage ohne Visum

Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion ist Weißrussland touristisch kaum in Erscheinung getreten. Nun öffnet sich die Republik verstärkt westlichen Besuchern, lockt Urlauber genauso an wie Geschäftsreisende und Tagungsgäste. Aufmerksamkeit erhielt das Land zuletzt durch die Minsk-I- und Minsk-II-Verhandlungen über einen Waffenstillstand in der Ostukraine. Davon befeuert veranlasste der autoritär regierende Staatschef Aljaksandr Lukaschenka Anfang 2017 per Dekret die Einführung einer visumfreien Einreise für fünf Tage. Frühere bürokratische Hindernisse wie Visumsantrag oder Einladung entfallen.

Dabei konzentriert sich der Fremdenverkehr im „letzten sowjetsozialistischen Staat Europas“, als der er bezeichnet wird, auf die Hauptstadt Minsk. Sie feiert in diesem Jahr ihren 950. Geburtstag. Der Zwei-Millionen-Metropole hat die Geschichte tiefe Wunden zugefügt – in erster Linie durch die Zerstörungen bei den Kämpfen im 2. Weltkrieg. Sowohl bei der Besetzung durch die deutsche Wehrmacht im Hochsommer 1941 als auch bei ihrer Befreiung durch die Rote Armee drei Jahre später wurde die „Heldenstadt“ weitgehend dem Erdboden gleichgemacht. Zudem wurde ein Großteil der etwa 80.000 vor dem Krieg in Minsk lebenden Juden deportiert .

Stehengeblieben sind nur einige historische Gebäude in der „Niamiha“ genannten Oberstadt – darunter die orthodoxe Heilig-Geist-Kathedrale und das benachbarte Bernhardiner-Kloster. Nur ein weiteres Gebäude hat den Krieg erstaunlicherweise unbeschadet überstanden: die Pischalauski-Burg, das zentrale Minsker Gefängnis und bis heute die zentrale Hinrichtungsstätte Weißrusslands. Sie vermittelt schon äußerlich einen ausgesprochen düsteren Eindruck.

Oftmals nur reine Kulisse

Alles andere sind mehr oder weniger Potemkinsche Dörfer. Das betrifft die am linken Swislatsch-Ufer angelegte Trajezkaje-Vorstadt mit ihren vielen Bars und Restaurants, die auf Wunsch von Sowjetgrößen in den 60er-Jahren aus dem Boden gestampft wurde. Es gilt aber auch für das in Sichtweite der Mariä-Namen-Kathedrale gelegene Altstädter Rathaus aus dem Jahr 2004.

Der architektonischen Kreativität der Nachkriegsbauten scheinen fast keine Grenzen gesetzt zu sein. Besonders deutlich wird dies an den turmartigen Wohnhäusern gegenüber dem Minsker Hauptbahnhof, die gern als „Tor in die Stadt“ bezeichnet und von etlichen Türmchen, Skulpturen und Zierelementen geschmückt werden.

Verbaut wurde dabei auch eine Turmuhr, die als Beutestück der Roten Armee ihren Weg in die Hauptstadt fand. Und nur wenige Hundert Meter vom Unabhängigkeitsplatz entfernt befindet sich mit der bombastischen Zentrale des weißrussischen Geheimdienstes KGB ein weiteres Paradebeispiel für die sowjetische Zuckerbäcker-Architektur.

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