Wolkenkratzer in New York

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Grand Central versinkt unter Bürotürmen

Zwischen New Yorks Wolkenkratzern, irgendwo da unten, liegt der Bahnhof Grand Central. Ein neuer Bau nebenan droht ihn optisch einzuquetschen. Enthusiasten wollen das Terminal schützen – und verweisen auf seine Geheimnisse im Inneren.

09.08.2017, 07:33 Uhr
Im Inneren der Grand Central Station gibt es viel zu entdecken – im vierten Stock gibt es etwa einen Tennisplatz.
Foto: Gettyimages

Die ersten Stahlträger stehen schon. Tag für Tag wächst aus einer Baugrube im gefühlten Mittelpunkt New Yorks der Glasgigant namens „One Vanderbilt“ heran, um mit seiner geplanten Fertigstellung im Jahr 2020 das zweithöchste Gebäude der Metropole zu werden. Direkt daneben und dann rund 50 Stockwerke kleiner: Grand Central Terminal, einer der prachtvollsten Bahnhöfe der Welt. Liebhaber des 1913 eröffneten Beaux Arts-Bahnhofs bangen um ihr Schmuckstück.

„Die Stadt zerhackt die Beaux-Arts im Herzen Manhattans“, schrieb etwa die Zeitschrift „Architectural Record“ 2015. Autorin Cara Greenberg listete weitere „Demütigungen“ auf, die der Granitbau mit seiner Skulpturen-Fassade und der berühmten Tiffany-Uhr schon habe einstecken müssen: 1929 wurde ihm das New York Central aufgesetzt, das heute als Helmsley-Gebäude bekannt ist, 1963 folgte mit dem MetLife Building (zuvor Pan Am Building) ein grauer Koloss, den viele New Yorker als Schandfleck der Skyline betrachten.

Besonders markant oder eindrucksvoll sei der neue „Supertall“-Turm auch nicht, schreibt das Immobilienmagazin „The Real Deal“. „Die Herausforderung war, welchen Bezug ein 427-Meter-Glasgebäude mit dieser palastartigen Steinkiste in neoromanischem Design haben kann“, sagte James von Klemperer, Präsident des Architekturbüros KPF, der „New York Times“. Teils nimmt das Design durchaus Rücksicht auf die Würde von Grand Central, dessen gewaltige Bahnhofshalle, schwungvolle Gewölbe, Marmortreppen und goldene Kronleuchter täglich 750.000 Menschen besuchen.

Eingequetscht wirken dürfte der Bau bald dennoch, denn östlich erhebt sich schon das Hotel Grand Hyatt, dessen verspiegelte Glaswände kein Geringerer in Auftrag gab als Donald Trump. Der nahm mit dem Hyatt in den 1980er Jahren sein erstes großes Immobilienprojekt in Manhattan in Angriff. Andere Städte haben ihren prächtigen Bahnhöfen oft mehr Raum zum Atmen gelassen. Darunter sind St. Pancras in London, Antwerpen-Centraal in Belgien, Milano Centrale in Mailand und Chhatrapati Shivaji in Mumbai, auch wenn der Immobilienmarkt in diesen Städten mit New York natürlich nicht zu vergleichen ist.

Trösten dürfte Grand Central-Fans, dass dessen größten Schätze und Geheimnisse im Inneren lauern. Da wäre zum Beispiel der Tennisplatz im vierten Stock, der einst Donald Trump gehörte und der pro Stunde für bis zu knapp 300 Dollar (etwa 250 Euro) angemietet werden kann. Die Tennis-Stars Andy Murray, Martina Navratilova, John McEnroe und die Williams-Schwestern schlugen hier schon Bälle, teils um sich auf die US Open vorzubereiten. Zuvor hatte ein ungarischer Einwanderer dort in den 1960ern sogar eine 20 Meter lange Kunststoff-Skipiste bauen lassen, nachdem der TV-Sender CBS dort ein Studio betrieb.

Oder die „whispering gallery“ im Untergeschoss, wo ein Flüstern von der einen Ecke des Kreuzgewölbes in die andere getragen wird. Beliebtes Detail ist auch ein kleines schwarzes Rechteck am Westrand des Gewölbes in der Haupthalle. Es erinnert daran, wie schwarz und schmutzig die heute leuchtend grüne, mit goldenen Sternzeichen verzierte Decke durch den Teer von Zigaretten war, ehe sie 1998 renoviert wurde. Über ein noch sichtbares Loch im Gewölbe wurde 1957 eine bis zur Decke reichende Rakete aufgestellt, um den Amerikanern im Kalten Krieg die Schlagkraft des US-Militärs vorzuführen.

Dann wären da natürlich noch die Austernbar im Kreuzgewölbe oder die versteckt gelegene, inzwischen aber auch bei Touristen bekannte Bar „The Campbell“. Die edle Lounge diente Eisenbahn-Tycoon John Campbell einst als Büro und war später sogar eine Polizeiwache. Als teuerster Drink steht heute ein Cognac für 425 Dollar (etwa 360 Euro) auf der Karte. Der kostbarste Schatz des Bahnhofs liegt allerdings in seinem Zentrum: Die aus Opal gefertigte Uhr über dem Informationsschalter in der Haupthalle soll schätzungsweise 10 bis 20 Mio. Dollar (etwa bis zu 17 Mio. Euro) wert sein.

Einmal wäre der Beaux Arts-Palast, den an einem Wochentag mehr als elf Millionen Zugreisende nutzen und der mit 67 Gleisen als größter der Welt gilt, fast dem Erdboden gleich gemacht worden. Entwickler hinter Stararchitekt I.M. Pei wollten ihn in den 1950ern abreißen lassen, um einen Büroturm namens „Hyperboloid“ in die Höhe zu ziehen. Doch dazu kam es nicht. 1968 legte Marcel Breuer ebenfalls einen Entwurf vor, aber die Municipal Arts Society mit Hilfe der früheren First Lady Jacqueline Kennedy konnte die Pläne noch abwenden.

Heute hat der Bau des „One Vanderbilt“ selbst für Enthusiasten des Bahnhofs sein Gutes: Die Baugrube an der 42nd Street gibt – zumindest vorübergehend – einen einzigartigen Blick auf das Grand Central Terminal frei. Auch die Westseite, die zuvor hinter einer Häuserwand verschwand, ist sichtbar. Verkäufer Ray Saretsky sagte der „New York Times“: „Ich werde es genießen, solange ich kann.“ (dpa)

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